Man Ray Ausstellung

Zwischen Charme und Belanglosigkeit: der Martin-Gropius-Bau in Berlin zeigt eine Man Ray Retrospektive. Auf der Suche nach einem schwer fassbaren Künstler.

Der auf eine glatte Fläche wie ein Kissen gebettete Kopf einer weißen europäischen Frau in der Horizontalen neben einer vertikal aufgerichteten schwarzen Maske aus Afrika - das ist eine der eher leichteren Übungen des Surrealismus. In der Retrospektive, die der Berliner Martin-Gropius-Bau derzeit dem Werk von Man Ray (1890-1976) widmet, ist eine Reproduktion dieser 1936 in Paris entstandenen Fotografie "Noire et Blanche" (unsere Abb., Katalog) zu sehen. Die Frau mit den geschlossenen Lidern ist die Sängerin Kiki de Montparnasse, die zeitweilig Man Rays Geliebte war. Sie begegnet dem Besucher auf einer diskret der Saalwand zugekehrten Stellwand noch einmal: in der hier erstmals präsentierten pornographischen Fotoserie, die Man Ray - mit sich selbst als Partner Kikis - auf Anregung des Dichters Louis Aragon für das Brüsseler Magazin Varietés herstellte, das seine leeren Kassen durch eine Sondernummer mit erotischer Dichtung zu füllen gedachte. Die Ausgabe wurde von Zollbeamten beschlagnahmt und vernichtet.

Text: Lothar Müller

Bilder: Alle Bilder sind in der genannten Ausstellung zu sehen.

Noire et Blanche, 1936

Foto: Man Ray Trust, Paris / VG Bild-Kunst, Bonn 2008.

25. Juni 2008, 18:36 2008-06-25 18:36:00  ©