Die Major-Label schmieden offenbar eine strategische Allianz: Mit der gemeinsamen Download-Plattform Total Music soll die Vormachtstellung von Apples iTunes-Musikstore gebrochen werden.
Man kann nicht behaupten, dass uns in letzter Zeit mit der Musikindustrie langweilig geworden wäre. Im Gegenteil, permanent riecht es nach Pulverdampf, täglich neuer Schlachtenlärm - von bahnbrechenden Neuerungen in Sachen Musik hört man indes weniger. Gerade erst wurden Prozesse gegen schlimme Raubkopierer gewonnen, die jetzt Unsummen wegen Urheberrechtsverletzung zu zahlen haben. Jetzt hört man von strategischen Allianzen, die die Dinosaurier und Erzfeinde im Musikgeschäft schmieden, um die Vormachtstellung des iTunes-Musikstores von Apple zu brechen.
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Apple-Chef Steve Jobs im April 2007 in London. Sein iTunes-Musikstore muss sich auf stärkere Konkurrenz gefasst machen. (© Foto: afp)
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Steve Jobs' Musikladen im Internet gelingen regelmäßig die größten Coups der Branche - und das, obwohl Apple eigentlich nicht zur Branche gehört. Wie gesagt: Dass die Musikindustrie durch innovative Produkte oder eine neue, einfallsreichere Präsentation der Ware Pop aufgefallen wäre, ist trotz ausgiebiger Recherche nicht auszumachen.
Vielleicht ja jetzt - oder auch schon wieder nicht. Denn bevor die Musikindustrie in dieser bescheidenen Sparte endlich ihren Auftritt haben kann, gilt es, schon wieder das Vorpreschen eines Quereinsteigers zu vermelden: Der Buchhändler Amazon ist seit wenigen Tagen im Geschäft mit Downloadmusik tätig. Das Neue daran: Amazon verkauft DRM-freie Musik, also Klänge ohne Kopierschutz. Das tut Apple zwar auch schon seit längerem in seinem sogenannten iTunes-Plus-Store.
Allerdings werden hier weniger Titel angeboten als im Hauptgeschäft, und sie werden zu einem höheren Preis angeboten als die gewöhnlichen 99 US-Cent, die Apple sonst pro Titel verlangt. Amazon unterbietet nun die Preise der iTunes-Stores, man verlangt zwischen 89 und 99 Cents pro Titel, die 100 meistverkauften Alben können sogar für je 8,99 Dollar heruntergeladen werden. Doch Amazon kann noch nicht auf ein so breites Angebot an Titeln zurückgreifen wie Apple. Denn der Buchhändler hat nicht alle Major-Music-Labels zu einer Verkaufsallianz unter seinem Dach zusammenbringen können.
Jetzt aber endlich der Trommelwirbel! Denn jetzt kommen wir zur Musikindustrie. Nein, nicht mit der Feststellung, dass dieselben Firmen, die ihre Anwälte auf Raubkopierer hetzen, ihre Songs jetzt ohne Kopierschutz bei Apple und Amazon anbieten. Sondern mit der Nachricht, dass sich Universal Music mit der Konkurrenz gegen Jobs zusammentun und eine eigene Verkaufsplattform im Netz errichten will. Ein Name ist schon gefunden: "Total Music" soll sie heißen.
Sony BMG-Music ist schon dabei, mit Warner Music ist man in Verhandlungen, wie Business Week meldet. Das wäre eine beeindruckende Allianz. Die drei Majors bieten 75 Prozent aller Musik an. Man will so nicht nur Apples iTunes Paroli bieten. Jobs' Store verkauft 70 Prozent aller Downloadtitel in Amerika. Man will auch Konkurrenzprodukte gegen den iPod stärken, etwa Microsofts Abspielgerät Zune und die Playstations aus dem Hause Sony. Was einzelne Titel unter der Universal-Flagge kosten sollen, ob gar ein Abonnement-Modell eingerichtet wird, ist noch unklar.
Und Apple? Will angeblich noch in dieser Woche eine Ausweitung seines iTunes-Plus-Angebotes vornehmen. Obwohl Apple-Sprecher Georg Albrecht das nicht kommentieren will, würden dann die DRM-freien Musikangebote neben EMI auch einige unabhängige Musik-Labels umfassen - bei gleichzeitiger Senkung der Preise auf die bekannten 99 Cents pro Titel.
Wie gesagt: alles im Fluss - bis auf die Inhalte, die in all den schönen neuen Stores verkauft werden sollen. Hier erlebt man nur kosmetische Aufhübschungen. Aber vielleicht kann man von einer Industrie, die Anwälte und Sales-Visionäre beschäftigen muss, nicht auch noch erwarten, dass sie sich um den leidigen Content kümmert.
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(SZ vom 17.10.2007)
65. Filmfestspiele Cannes
Der Abo-Dienst "Virgin Digital" hat gerade zu gemacht. Die bis dahin abonierte Musik ist damit nicht mehr nutzbar (DRM). Es sei denn man folgt der Empfehlung von Virgin Digital: "If you have purchased tracks from the service then we recommend that you back up your music files." Dann kann man sie nämlich als DRM-freie mp3-Files wieder auf die Platte kopieren.
Wer sich seine Musik in Tauschbörsen besorgt, hat solche Probleme nicht. Und kann auch noch jeden Player nutzen.
Warum ist diese Industrie so kundenunfreundlich?
Die Verbraucherzentralen haben itunes, sprich: Apple, längst abgemahnt, wegen seiner verbraucherfeindlichen Politik. Was Steve Jobs von Apple sicher kaltlächelnd wegsteckt. Mehr Kopfschmerzen bereiten ihm da Amazon und die Konkurrenz. Ich gönne ihm nicht mal eine Aspirin, denn gegen das Geschäftsgebaren dieser Firma erscheint ja selbst Microsoft noch wettbewerbs- und verbraucherfreundlich.
Zunächst einmal ist es mehr als fraglich, wieso die Labels der Strategie nachlaufen wolllen, einem Konkurrenz-Produkt des iPods zu unterstützen. Allein dieser Gedanke halt ich für grundlegend falsch. Man sollte in dieser Hinsicht vorsichtig sein und doch eher kompatibel zu i-tunes sein, werden. Die Musikindustrie scheint zur Zeit immer wieder 3 Schritte zu spät kommen.
Die andere spannende Frage wird ganz klar dahin gehen, ob sich diese Vertriebsarten wie bei Radiohead durchsetzen werden. Keine Frage technisch gesehen wird dies immer einfacher.
Aber wieviel Mühe wollen sich die Kunden machen, um an ihre Musik zu kommen? Ein zentraler Anbieter hat dort doch Vorteile.
Die Musikindustrie hat ihre Funktion doch längst eingebüßt. Vorbei die Zeiten wo man in Saus und Braus auf Kosten der Kreativen den dicken Max machen konnte. Vorbei die Zeiten wo man sich wie die Zecken vollgesogen hat an kleinen Mickey-Mouse-Club-Girlies. Da hilft auch der mittlerweile verzweifelt klingende Name "Total Music", der wohl auf die ehemals totalitäre Kontrolle über die Musikproduktion und den Vertrieb abstellt, die man gerne zurück hätte, nicht mehr viel. Träum Dich schön in die Versenkung BMG, Sony, Universal etc. Adios!
Jetzt gibt es endlich wieder einen Hoffnungsschimmer am Horizont auf gute Musik, die nicht länger von der Industrie verhindert wird. Radiohead ist nur das jüngste - sicherlich nicht das letzte - Beispiel für eine Band, die für die Vermarktung und für das Abschröpfen des Gewinns keine Industrie-Musikmanager mehr braucht.
So,ihr Gornis im Land, langsam wird es eng, sucht euch mal bei Zeiten einen ordentlichen Job oder lernt ein Instrument...
Eindlich ein Artikel, der das allergrößte Versäumnis der Musikindustrie anprangert:
Null künstlerischer Wert bei 99% aller "Produkte", null Innovation sowieso.
Und die Musik, für die ich bereit wäre, Geld auszugeben (hauptsächlich älterer Jazz und Salsa), finde ich weder bei iTunes noch bei der Konkurrenz. Muss ich jetzt 20.000 Dollar Strafe zahlen, wenn ich nebenbei erwähne, dass ich die von mir bevorzugte Musik problemlos in eMule & Co finde?
Abgesehen von Schikanen wie DRM schert sich die Industrie auch einen Dreck um Klangqualität, oder wie kann man ernsthaft 10 Euro für ein Online-Album in 128kbps verlangen?
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