Little Britain Es gibt ihn wirklich

Wer hat denn nun eigentlich dieses deutsche Fußballspiel neulich hier in London gewonnen, fragt der stets erstaunliche G. Nun, er ist bereit, sich auf ein Unentschieden einzulassen.

Von Christian Zaschke, London

Während wir vor dem Toucan in Soho standen, erzählte ich dem stets erstaunlichen G., dass ein Leser angemerkt habe, dass er ihn, G., für eine Erfindung halte. "Ah", sagte G. erfreut. Er nippte an seinem Guinness. Wir schwiegen eine Weile. Hin und wieder kam ein Bettler vorbei, und G. gab ihm ein Pfund. G. gibt jedem Bettler ein Pfund. Immer.

Nachdem wir lange genug geschwiegen hatten, fragte G: "Wer hat jetzt eigentlich dieses deutsche Fußballspiel neulich hier in London gewonnen?" Da ich mir nicht sicher war, ob er mich, wie üblich, verarschte, sagte ich: "Die haben unentschieden gespielt." "Ah", sagte G. Er nippte an seinem Guinness.

Der stets erstaunliche G. trinkt nie Guinness, es sei denn, wir sind im Toucan. Beziehungsweise: vor dem Toucan. Seit die Temperaturen vor vier Wochen wieder knapp über den Nullpunkt gestiegen sind, trägt G. zum Polo-Shirt eine leichte Trinkjacke und raucht. Es tut ihm nicht gut, manchmal hustet er, als wäre der Teufel in ihn gefahren, aber er raucht.

Das Nelly Dean, gleich um die Ecke, wäre auch eine gute Wahl gewesen, weil dort die Barleute sehr freundlich sind und das Bier nicht wie sonst fast überall in Soho so viel kostet wie eine Flasche Roederer Cristal. Aber das Haus wird gerade renoviert, und da G. zwar gern in leichter Jacke draußen steht und raucht, aber den Baustellenstaub nicht so gut abkann, waren wir ins Toucan gegangen. Im Keller des Toucans hat einst Jimi Hendrix gespielt, und an der Bar des Toucans zapfen sie bis heute das beste Guinness der Stadt. G. sagte: "Dann gibt es jetzt also keinen Gewinner in diesem Fußball?" Ich nickte. Ein Bettler kam vorbei, G. gab ihm ein Pfund.

Am vergangenen Samstag waren, grob geschätzt, rund zwölf Millionen Deutsche nach London gekommen, um das Champions-League-Endspiel zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund zu sehen. Knapp zwei Millionen Deutsche standen nachmittags auf dem Trafalgar Square, was zur Folge hatte, dass kein Platz mehr war für die sechs Millionen Tauben, die dort normalerweise herumspazieren. Die Tauben flogen ziellos umher. Hin und wieder, so bilde ich mir ein, schiss eine der Tauben dem Nelson-Denkmal auf seiner 56 Meter hohen Säule einen unentfernbaren Fleck auf den Kopf.

Ich fragte: "Du interessiert dich wirklich nullkommanull für Fußball?" G. kramte eine Weile lang in seiner leichten Trinkjacke herum, schließlich fischte er eine Karte hervor: "Hier", sagte er, "Mitglied im London Fencing Club. Mitgliedsnummer GES 03843." "Sieh an", murmelte ich, "es gibt dich wirklich."