Literaturnobelpreisträger in Stockholm Mo Yan relativiert Zensur

Mo Yan bei seiner Pressekonferenz in Stockholm am 6. Dezember 2012.

(Foto: AFP)

Die Auszeichnung für ihn ist kontrovers, nun hat der Chinese Mo Yan seinen Kritikern kurz vor Entgegennahme des Literaturnobelpreises neue Angriffsflächen geliefert. Nach seiner Ankunft in Stockholm wollte er weder Kritik an der heimischen Zensur äußern noch den inhaftierten Friedensnobelpreisträger Liu Xiaobo unterstützen.

Der diesjährige chinesische Literaturnobelpreisträger Mo Yan sieht die Zensur als ein unangenehmes, aber manchmal notwendiges Mittel an. Das sei wie bei Sicherheitschecks am Flughafen, sagte der 57-Jährige bei einer Pressekonferenz in Stockholm, wo er am kommenden Montag die Auszeichnung entgegennehmen wird. Gleichwohl glaube er nicht, dass sich die Zensur der Wahrheit in den Weg stellen sollte. Allerdings sollten jegliche Verleumdungen oder Gerüchte "zensiert werden", fügte Mo hinzu. Es gebe Zensur in jedem Land der Welt. Unterschiedlich sei nur der jeweilige Grad.

Mit Mo Yan war im Oktober erstmals einem chinesischen Staatsbürger der Literaturnobelpreis zuerkannt worden. Die Wahl stieß jedoch angesichts von Mos Nähe zu Chinas regierender Kommunistischer Partei auch auf Kritik.

Fragen nach seinem inhaftierten Landsmann und Schriftsteller Liu Xiaobo, dem 2010 der Friedensnobelpreis verliehen wurde, wich Mo aus. Eine diese Woche veröffentlichte Petition von 134 Nobelpreisträgern zugunsten des weiter inhaftierten chinesischen Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo will er nicht unterzeichnen. Er sagte zur Begründung: "Wenn mich jemand zwingen will, meine Überzeugung zum Ausdruck zu bringen, dann tue ich das nicht."

Auf die Frage, ob er für eine schnelle Freilassung des wegen seiner politischen Aktivitäten inhaftierten Liu Xiaobo eintrete, antwortete Mo Yan: "Lassen wir das die Zeit entscheiden." Auf wiederholte Nachfragen verwies der Preisträger auf ein kurzes Statement zugunsten der Freilassung von Liu Xiaobo, das er unmittelbar nach der Zuerkennung des Literaturnobelpreises im Oktober abgegeben habe.

An der Entscheidung der Schwedischen Akademie für Mo Yan hatten sowohl namhafte exil-chinesische Intellektuelle wie auch die deutsch-rumänische Nobelpreisträgerin Herta Müller (2009) heftige Kritik geübt. Müller warf Mo Yan unter anderem auch Befürwortung von Zensur sowie sein sehr spätes und halbherziges Eintreten für den Menschenrechtler Liu Xiaobo vor. Andere Kollegen, wie der deutsche Schriftsteller Martin Walser, haben sich geradezu euphorisch über Mo Yans Werk geäußert.

Chinesische Kritiker stufen Mo Yan als unkritischen Mitläufer der Pekinger Parteiführung ein. Der erste in China lebende Literaturnobelpreisträger selbst nahm zu diesen Stimmen in Stockholm nur indirekt Stellung. Er sagte: "Der Nobelpreis ist eine Auszeichnung ausschließlich für Literatur - und nicht für Politik." Die Kritiker hätten "alles Mögliche über politische Tendenzen herumspekuliert", ohne aber in der Regel seine Bücher zu kennen: "Es gibt da keine politischen Tendenzen."

Die Nobelpreise sind in diesem Jahr mit jeweils acht Millionen schwedische Kronen (925.000 Euro) dotiert und werden am Montag im Stockholmer Konzerthaus von Schwedens König Carl XVI. Gustaf überreicht. In Oslo nehmen Vertreter der EU am selben Tag den Friedensnobelpreis 2012 für die Organisation in Empfang.