LiteraturnobelpreisWer ist eigentlich Bob Dylan?

Ein freundlicher Prophet - oder ein Amphetaminlutscher, der Bürgermeistersgattinnen in die Wadl beißt? Die wichtigsten Werke des singenden Literaturnobelpreisträgers.

Gesammelte Werke

Jetzt ist es doch passiert. Bob Dylan erhält den Nobelpreis für Literatur. Aus diesem Grund veröffentlichen wir diesen Artikel, der zum ersten Mal im Mai 2011 zum 70. Geburtstag Bob Dylans auf SZ.de zu lesen war. Seine fünf besten Alben, die wichtigsten Bücher, ein Bildband und der Film, der den Folkstar als Schnösel erfand - in Bildern.

Reist man in das Dorf Woodstock hundert Meilen nördlich von New York City, versteht man, warum Bob Dylan zeit seines Lebens auf der Flucht vor sich selbst war. In den Souvenirläden der einstigen Künstlerkolonie kann man die Schlüsselsätze seines Lebenswerks als Slogans auf T-Shirts, Talmi und Wandtäfelchen kaufen. 1964 verbrachte Dylan hier erstmals einen Sommer und legte den Grundstein für den Mythos eines gesellschaftlichen Wandels, der eine ganze Generation prägen sollte. Fünf Jahre später nutzten findige Konzertveranstalter den Namen des Dorfes, um im eineinhalb Stunden entfernten Bethel ein Rockfestival zu veranstalten. "Es kann keine revolutionäre Kultur geben, solange es keine Revolution gibt", schrieb die Popkritikerin des New Yorker Ellen Willis damals über das Fiasko des Festivals. Und zeit seines Lebens schien es, als habe niemand diesen Satz besser verstanden als Bob Dylan. Der Prophet, zu dem er immer wieder so gerne gemacht wurde, wollte er nie sein. In dem neuen Bildband "Bob Dylan - Bilder eines Lebens" (Schwarzkopf und Schwarzkopf, Berlin 2011, 160 Seiten, 29,95 Euro) kann man durch diese Lebensgeschichte der Flucht blättern. Kein Künstler des 20. Jahrhunderts hat sich so oft neu erfunden wie Dylan. Wenn er seine Songs anstimmt, weiß man bis heute nicht, ob er einfach ein guter Entertainer ist, oder ob er das Maskenspiel des Hip mit seiner eigenen Geschichte spielt. Von Andrian Kreye

Bild: imago/United Archives Internatio 13. Oktober 2016, 14:422016-10-13 14:42:38 © SZ am Wochenende vom 21./22. Mai 2011/rus/doer