Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki ist tot

Deutschlands berühmtester Buchkritiker ist tot: Marcel Reich-Ranicki, der in der FAZ und im Fernsehen die deutsche Literaturszene der Nachkriegszeit geprägt hat wie kein anderer, ist im Alter von 93 Jahren gestorben.

Der Literaturkritiker und Autor Marcel Reich-Ranicki ist tot. Er ist im Alter von 93 Jahren in Frankfurt am Main gestorben. Dies gab der Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Frank Schirrmacher, via Twitter bekannt. Der Hessische Rundfunk bestätigte den Tod des Kritikers.

Der 1920 unter dem Namen Marceli Reich in Polen geborene Literaturkritiker leitete mehr als 15 Jahre lang die Literaturredaktion der FAZ. Auch danach blieb er in der Öffentlichkeit präsent. Von 1988 bis 2001 moderierte er das Literarische Quartett im ZDF.

Für das Literarische Quartett und für sein Lebenswerk sollte Reich-Ranicki im Jahre 2008 den Deutschen Fernsehpreis verliehen werden. Er lehnte den Preis jedoch spontan ab - und begründete das mit dem "Blödsinn, den wir hier heute abend zu sehen bekommen".

Neben zahlreichen anderen Büchern veröffentlichte er 1999 seine Autobiografie "Mein Leben", die zum Bestseller wurde. Das Buch wurde nach Verlagsangaben mehr als 1,2 Millionen Mal verkauft.

Reich-Ranicki zählt zu den Überlebenden des Warschauer Ghettos, seine Eltern wurden von den Nazis ermordet. Nach dem Krieg arbeitete Reich-Ranicki in Polens kommunistischem Geheimdienst und im diplomatischen Dienst. 1950 wurde er aus seinen Ämtern entlassen und aus der Partei wegen "ideologischer Fremdheit" ausgeschlossen. Seit 1958 lebte er in Deutschland und machte sich bei der Wochenzeitung Die Zeit als Kritiker einen Namen.

Im vergangenen Jahr hielt er vor dem Bundestag die Rede zum Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz. Seine Frau, die er 1942 im Warschauer Ghetto geheiratet hatte, starb im Jahr 2011. Bereits 2006 war er mit Herzbeschwerden ins Krankenhaus gekommen. Im März hatte Reich-Ranicki seine Krebserkrankung öffentlich gemacht.

Lesen Sie hier einen Nachruf zu Marcel Reich-Ranicki.