Bis auf ein paar schwache Bücher ist Doris Lessings Biographie tadellos - hier ist alles politisch korrekt: Der Nobelpreis für Literatur gebärdet sich als der bessere Friedensnobelpreis.
Betrachtet man die Liste der 181 Kandidaten, von denen am Freitag einer Friedensnobelpreisträger wird, dann drängt sich der Schluss auf, dass der Nobelpreis für Literatur der bessere Friedensnobelpreis ist. Denn man kann Doris Lessing vieles vorwerfen, zum Beispiel, dass einige ihrer Bücher literarisch schwächeln. Ihre Biographie dagegen ist tadellos - hier gibt es keinen Ausrutscher, hier ist alles politisch korrekt.
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Am Freitag wird der Name des Friedensnobelpreisträgers bekannt gegeben. Der Nobelpreis für Literatur geht an Doris Lessing. (© Foto: afp)
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Sie war Kommunistin, sah aber Kommunismus lediglich als Instrument für einen postkolonialen Neuanfang in den Ländern der Dritten Welt und verteufelte die Realitäten in den Kolonien nie, was sich angesichts der Zustände in Simbabwe, der damals noch Rhodesien genannten Heimat ihrer Jugend, als geradezu prophetische Weitsicht erwiesen hat.
Und auch wenn sie mit ihrem Roman "Das Goldene Notizbuch" 1962 einen Meilenstein der feministischen Literatur vorlegte, ließ sie sich nicht von einer feministischen Bewegung vereinnahmen, die in den Industrieländern revolutionär, für die Frauen, die in der Dritten Welt lebten, jedoch zu dogmatisch war. So wird politische Korrektheit zur biographischen Stapelware, und das muss es auch sein, was das Nobelpreiskomitee der Schwedischen Akademie meinte, als es verkündete: "Dies ist eine der am besten durchdachten Entscheidungen, die wir jemals getroffen haben." Die Überraschung jedenfalls ist gelungen.
Viele Kandidaten für den Friedensnobelpreis können von solch einer Biographie nur träumen. Sicherlich gab es Lichtgestalten unter den Preisträgern wie den Pionier der Mikrokredite, Muhammad Yunus, oder die Menschenrechtskämpferinnen Shirin Ebadi und Wangari Maathai. Es geht auch nicht um so eindeutig zweifelhafte Preisträger wie Roosevelt, Arafat oder Kissinger.
Doch warum bekam Jimmy Carter den Preis? Es sollte eine Botschaft an George W. Bush im Vorfeld des Irakkrieges sein - doch Bushs Nahostpolitik beruht auf der Carter-Doktrin von 1981. Warum zeichnete man die Vereinten Nationen aus, als die Organisation mehr denn je den Machtspielen der USA ausgeliefert war?
Einer der Favoriten für den diesjährigen Preis ist Al Gore. Der hat viel für den weltweiten Gesinnungswandel zum Thema Erderwärmung getan, stand als US-Vizepräsident aber auch für umstrittene Interventionen im ehemaligen Jugoslawien und in Haiti. Ebenfalls im Rennen: die Rockstars Bono und Bob Geldof. Deren Aktivismus ist vor allem lautstark. Die deutlichste Botschaft an die olympischen Spiele in China wäre sicher ein Preis für die Uigurin Rebiya Kadeer.
Doch wenn der Friedensnobelpreis nur noch Kommentar der Tagespolitik ist, der Preis für Literatur nicht für die literarische Leistung, sondern gegen Mugabe und gegen die Unterdrückung der Frau vergeben wird, dann stehen die beiden Preise bald in gegenseitiger Konkurrenz um das gewagteste Statement und die größte Überraschung. Medienwirksam. Aber nicht gerade würdig.
In seinem Roman „Canale Mussolini“ erzählt Antonio Pennachi von der Trockenlegung der pontinischen Sümpfe im italienischen Faschismus. Jetzt lesen ...
(SZ vom 12.10.2007)
Union debattiert über Familienpolitik
natürlich keinen. Ich lese außer Doris Lessing nichts. Das haben Sie schon ganz richtig bemerkt ;-)
Ergebenst
Blinkestern
"mannmannmann.... ich fand nicht alle Bücher von ihr wirklich total super.... aber die meißten und es lässt sich doch nicht abstreiten, dass sie eines der literarischen Top-Highlights dieses und des letzten Jahrhunderts ist!!!!"
Ach du meine Güte! Darf man(n) höflich nachfragen, welche Schriftsteller/innen der beiden letzten Jahrhunderte Sie sonst noch so lesen oder wenigstens namentlich kennen?
worum geht es hier in den kommentaren überhaupt noch ? kein blassen schimmer wovon hier die rede ist. aber schön, dass eine außenseiterin den preis erhalten hat. freut mich irgendwie. also denne, alles gute doris und prösterchen!!! ein hoch auf starke frauen, beokmmen sowieso zuwenig annerkennung. wird ja immer gern kleingeredet und verniedlicht.
was ich total komisch finde: Da fangen schon wieder Leute an von DDR und dem 3.Reich zu labern.... und Doris Lessing da zwischen drin... die Frau ist Engländerin mit background in Afrika.
mannmannmann.... ich fand nicht alle Bücher von ihr wirklich total super.... aber die meißten und es lässt sich doch nicht abstreiten, dass sie eines der literarischen Top-Highlights dieses und des letzten Jahrhunderts ist!!!! Und fuuckdarfichnichsagen nochmal: warum der ganze Politkram... diese Frau kann schreiben wie kaum ein anderer und der Nobelpreis ist voll überhaupt nicht überraschend sondern total gerechtfertigt.
Oder lieg ich jetzt total nebendran?
Ich habe Ihren Kommentar offensichtlich zu oberflächlich gelesen. Ihre Erwähnung der Vertreter der Juden lässt sich sehr mißverständlich interpretieren. Das sollten Sie nochmal überprüfen. Ich glaube kaum dass es kritikwürdig ist, wenn jüdische Mitmenschen -oder Funktionäre jüdischer Vereinigungen- nicht müde werden, die Einzigartigkeit nat*onalsoz*alistischer Verbrechen an den Juden hervorzuheben und derer zu gemahnen. Das ist mehr als ihr gutes Recht.
MfG
Legpatnost
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