Literatur Ganoven verstehen

David Schalko ist mit seiner Fernseharbeit und seinen Romanen zum Spezialisten für spezielle österreichische Milieus geworden.

(Foto: Ingo Pertramer)

Der Österreicher David Schalko stellt in der Milla seinen neuen Roman "Schwere Knochen" vor - zusammen mit Hannes Ringlstetter

Von Oliver Hochkeppel

Natürlich ist es auch wieder eine Parabel, was David Schalko in seinem neuen, vierten Roman "Schwere Knochen" als Historienkrimi erzählt. Der Österreicher ist nachgerade ein Spezialist darin, in speziellen österreichischen Milieus, in Randexistenzen und im vermeintlich Provinziellen das Allgemeingültige, das Allzumenschliche und Aktuelle aufblitzen zu lassen - vermittelt durch den morbidesten Wiener Humor.

Am bekanntesten wurde er mit TV-Serien aus seiner Feder und von seiner Produktionsfirma - von der im elften Jahr laufenden, vom Duo Stermann und Grissemann moderierten Late-Night-Show "Willkommen Österreich" über den Josef-Hader-Zweiteiler "Aufschneider" bis zu den Miniserien "Braunschlag" und "Altes Geld". Sie zählen zum Besten, was in diesem Format im deutschsprachigen Raum gemacht wurde. Demnächst wird "M" ins Fernsehen kommen, sein in die Gegenwart und nach Wien verlegtes Serien-Remake von Fritz Langs Kino-Klassiker.

Doch spielt für Schalko anders als für die meisten Autoren die Plattform für seine Geschichten keine entscheidende Rolle: Was es aus Kostengründen oder wegen redaktioneller Entscheidungen nicht ins Fernsehen schafft, das verarbeitet er als Roman. So kann man den bei Kiepenheuer & Witsch erschienenen "Schwere Knochen" als letzten Teil einer die Serien "Braunschlag" und "Altes Geld" umfassenden "Trilogie der Gier und Korruption" verstehen. Hauptfigur im vor Akteuren berstenden 570-Seiten-Opus ist der Zwei-Meter-Mann Ferdinand Krutzler: Schalko zeichnet dessen Verbrecherkarriere und Entmenschlichung in einer eigenen, zugleich abstrakten wie warmen Sprache nach: Wie Krutzler vom Kleinganoven in den KZs Dachau und Mauthausen zum menschenverachtenden Großverbrecher geformt und folgerichtig anschließend zum Unterwelt-Karrieristen wird, extrapoliert Schalko als Sittenbild einer bis in die Gegenwart verweisenden deformierten Nachkriegsgesellschaft.

In Berlin hat Schalko seinen Roman gerade mit Robert Stadlober vorgestellt, in der Milla liest er nun logischerweise mit Hannes Ringlstetter: Dessen Personality-Show im BR hat er mitkonzipiert und produziert.

David Schalko & Hannes Ringlstetter lesen aus "Schwere Knochen", Sonntag, 3. Juni, 20.30 Uhr, Milla, Holzstraße 28