Literatur Freischwimmer

Natalie Buchholz' Debütroman "Der rote Swimmingpool"

Von Yvonne Poppek

Lange Lektorin, jetzt auch Autorin: Natalie Buchholz.

(Foto: Peter-Andreas Hassiepen)

"Ich hatte die Geschichte im Kopf", sagt Natalie Buchholz, "und irgendwie wollte die raus." Buchholz sagt diesen Satz lachend. Sie selbst hat ihn schon oft gehört. Von Autoren natürlich. "Ich dachte immer: Das sagt man eben so", erzählt sie. Die 41-Jährige ist Belletristik-Lektorin, arbeitet im Klett Cotta und Tropen-Verlag. Mittlerweile weiß sie, dass dieser Satz nicht einfach so dahingesagt ist, sondern "dass es einfach so ist". Natalie Buchholz hat selbst einen Roman geschrieben, der am 14. Mai bei Hanser Berlin erscheinen wird. Die in München lebende Autorin stellt ihn am heutigen Dienstag in der Buchhandlung Buch & Bohne vor.

"Der rote Swimmingpool" heißt ihr Debüt. Im Mittelpunkt steht der Jugendliche Adam, der im Laufe der Geschichte volljährig wird. Adam lebt mit seinen Eltern ein scheinbar perfektes Leben in einem Haus mit Pool in München-Harlaching. Seine Mutter, eine Französin, ist schön und begehrenswert und führt mit seinem Vater immer noch eine Liebesbeziehung. Doch eines Tages wird diese heile Welt gestört, die Eltern trennen sich, ohne Adam den Grund dafür zu nennen. Der Junge kommt damit nicht klar, die Situation eskaliert.

Buchholz erzählt die Geschichte von Adam mit leichtem und schnörkellosem Sound, die Sprache ist klar und rhythmisiert, ohne sich einem Jugendjargon anzubiedern. Man glaubt, bei "Der rote Swimmingpool" einen dieser Jugendromane in den Händen zu halten, die generationenübergreifend funktionieren. Buchholz setzt dabei auf den Wechsel zwischen zwei Zeitebenen: von der Rückschau, wie die Dinge sich bis zur Eskalation entwickelt haben, zum Blick auf die Gegenwart, in der sich Adam und seine Eltern mit dem neuen Leben zu arrangieren beginnen. Geschickt weiß sie, jedes Kapitel mit einem Cliffhanger zu beenden, setzt bewusst also auf eine spannungsgetriebene Handlung.

Das sei ihr Ziel gewesen, sagt sie. Es sollte in jedem Fall keine Nabelschau werden, wie sie oft bei deutschen Gegenwartsautoren zu finden ist. Buchholz scheint sich in dieser Sache sehr sicher gewesen zu sein - und auch darüber, wie sie dies erreichen kann: In nur ein paar Monaten - von September 2016 bis Mai 2017, wie sie sagt - schrieb sie an dem Roman. Danach konnte eine Agentur das Buch relativ rasch an Hanser Berlin vermitteln. Zuvor hatte die Kulturwissenschaftlerin und Mutter zweier Kinder noch nie selbst literarisch geschrieben. "Das ist mein erster Wurf", sagt sie. Ein Debüt quasi wie im Bilderbuch. Kaum hatte Natalie Buchholz das erste Buch beendet, setzte sie sich schon an das nächste. "Mir hat das Schreiben gefehlt", erzählt sie. Trotzdem definiert sie sich nicht als Autorin. "Ich bin Lektorin, die einen Roman geschrieben hat", sagt sie. Und sie ist natürlich auch eine Lektorin, die die Dimension mancher Autoren-Sätze nun weitaus tiefer erfassen kann.

Natalie Buchholz: Der rote Swimmingpool; Dienstag, 8. Mai, 19.30 Uhr, Buchhandlung Buch & Bohne