Sprache "Lichtgrenze" ist Wort des Jahres 2014

Zum Jubiläum des Mauerfalls stiegen leuchtende Ballons in die Luft - jetzt ist die "Lichtgrenze" Wort des Jahres 2014.

(Foto: dpa)
  • "Lichtgrenze" ist das Wort des Jahres 2014 und bezieht sich auf den Mauerfall.
  • Die Fußball-WM ist mit zwei Begriffen unter den Top Ten vertreten.
Von Daniel Lehmann

Leuchtende Ballons über Berlin

"Lichtgrenze" ist das Wort des Jahres. Es bezieht sich auf die leuchtenden Ballons, die als symbolische Mauer anlässlich des 25. Mauerfall-Jubiläums am 9. November in den Berliner Nachthimmel stiegen. "Es spiegelt in besonderer Weise die großen Emotionen wider, die das Ende der DDR im Herbst 1989 auch 25 Jahre später noch in ganz Deutschland hervorruft", heißt es auf der Webseite der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS).

Botschaft für die Welt

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Auf den weiteren Plätzen folgen "schwarze Null" und "Götzseidank", eine Anspielung auf das Siegtor von Mario Götze im Finale der Fußball-WM in Brasilien. Letztere ist mit dem "Freistoßspray" gleich doppelt vertreten. Auch "bahnsinnig", "Russlandversteher" und "Social Freezing" wurden gewählt. Nicht in die Top Ten geschafft haben es "Streik-Pingpong" und "Chlorhuhn".

Im Netz wurde die Auswahl der Jury kontrovers beurteilt. Kaum einer hatte mit "Lichtgrenze" auf Platz 1 gerechnet. Während manche die Entscheidung als Ausruf für Freiheit und Wiedervereinigung lobten, kritisierten andere die fehlende Nachhaltigkeit des Wortes.

Über das "Wort des Jahres"

Seit 1977 wählt die Gesellschaft für deutsche Sprache zehn Wörter und Wortgruppen, die in besonderer Weise Einfluss auf die Sprachkultur des vergangenen Jahres genommen haben oder in der öffentlichen Wahrnehmung präsent waren. Das können politische, wirtschaftliche oder gesellschaftliche Formulierungen sein. 2013 wählte die Jury "GroKo", die Abkürzung für große Koalition, zum Wort des Jahres, 2011 war es "Stresstest" und 2006 "Fanmeile".

Erheblich für die Wahl ist nicht die quantitative Verwendung eines Wortes, sondern allein dessen Wirkung im Sprachbild. Die GfdS will damit "den Nerv des sich dem Ende neigenden Jahres treffen und einen Beitrag zur Zeitgeschichte darstellen". Etwas, das mit "Lichtgrenze" zweifellos gelang. Nämlich dann, wenn man das Wort als einen künstlerischen Oberbegriff für sämtliche Geschichten, Erinnerungen und Aktionen zum Jubiläum des Mauerfalls begreift, die das ganze Jahr 2014 prägten.

Die Ernennung zum Wort des Jahres erfolgt in Abgrenzung zur üblichen Arbeitsweise der Gesellschaft für deutsche Sprache ohne kritische Betrachtung oder Gebrauchsempfehlung. Das Jugendwort des Jahres, das mit "Läuft bei dir" 2014 erstmals ein Satz ist, wird unabhängig von der GfdS gewählt.

Andere Länder, andere Worte

Auch in der Schweiz wählte man ein Wort des Jahres - doch als Sieger ging gar kein Wort hervor, sondern das Hashtag-Symbol #. Eine Entscheidung, die nicht bei jedermann auf Gegenliebe stieß. Mal abgesehen davon, dass die American Dialect Society bereits 2012 den Hashtag zum Wort des Jahres in den USA gekürt hat. In Österreich gewann "situationselastisch".