Lesenswert Worte wie ein Wintergericht

Friedrich Hirschl, 1956 in Passau geboren, hat sich mit seinen Gedichten weit über Niederbayern hinaus einen Namen gemacht und zahlreiche Auszeichnungen erhalten.

(Foto: Nicole Schaller)

Der Lyriker Friedrich Hirschl hat sein achtes Buch vorgelegt

Von Hans Kratzer

Bei einem seiner Streifzüge durch die Wald- und Flussnatur in seiner Heimat ist der Passauer Lyriker Friedrich Hirschl auf ganz besonders sympathische Weise von der Märzsonne inspiriert worden. Das belegt sein gleichnamiges Gedicht, in dem er dieses prägende Erlebnis mit wenigen Worten verdichtet hat:

"Sie macht sich gleich / ans Wintergericht / Eine Riesenportion. Es schmeckt / Nichts bleibt zurück. An die Wolkenküche / ein dickes Lob."

Friedrich Hirschl gebraucht kein Wort zu viel und keines zu wenig. Auf diese Weise fängt er Eindrücke ein, die ihn bewegen, um sie dann in Gedichte umzuformatieren. Auch in seinem achten Buch, das er jetzt vorgelegt hat, ist die Natur das beherrschende Thema. "Stilles Theater" lautet der Titel des Werks, der sehr treffend ist, denn Hirschl beschreibt Bilder und Szenen, wie sie nur das stille Theater der Natur bietet. Manchmal fährt sie spektakuläre Kulissen auf, manchmal holt sie wie ein Bühnenregisseur zum großen Drama aus.

Hirschl ist ein sensibler Beobachter, der schnelle Wurf ist seine Sache nicht. Er nimmt sich viel Zeit, um seine Texte kunstvoll und verständlich zu konstruieren und sie mit feinem Humor zu würzen. Jegliches Leben ist nach Hirschls Philosophie geprägt vom Rhythmus der Natur. So sind der Mensch und die von ihm geschaffene Welt lediglich Statisten in diesem Theater, was er in dem Gedicht "Herbstfeuer" bündig zum Ausdruck bringt:

"Das bewachsene Gebäude / Tagelang stand es in Flammen / Ohne Schaden zu nehmen."

Wenn er sich dem Phänomen Wind widmet, verleiht Hirschl ihm kurzerhand die Eigenschaften eines Lebewesens:

"Er fällt / über die Bäume her / wie vom Heißhunger gepackt / Lässt von ihnen / nur das Gerippe / zurück."

Der Passauer Verleger Karl Stutz hatte den gelernten Theologen und Pädagogen Friedrich Hirschl einst entdeckt, ihn gefördert und seine Gedichtbände verlegt. Als Stutz vor einigen Jahren starb, lief Hirschls Kunst Gefahr zu versiegen. Nun hat der Lyriker und Pastoralreferent zum Glück im renommierten Lichtung Verlag in Viechtach eine neue literarische Heimat gefunden. Der hat sich für seinen neuen Band um eine sehr ansprechende Aufmachung bemüht. Immerhin vier Jahre hat Hirschl investiert, bis das Buch vollendet war. Das Warten hat sich gelohnt, denn Hirschl verstand es abermals virtuos, den Augenblick in wenigen Worten einzufrieren.

Der mit mehreren literarischen Auszeichnungen bedachte Hirschl versucht mit Eifer, den Leser für die vom Fortschritt gebeutelte und verschüttete Natur zu sensibilisieren. Die Kapitel tragen dazu passende Namen wie "Frühlingstrunken", "Sonnenhaus", "Herbstfeuer" und "Schneegedächtnis". Der Mensch bleibt dabei aber nicht im Abseits, wie das große Kapitel in der Buchmitte mit dem knappen Titel "Du" belegt. Im Gedicht "Eine Liebe" liest sich das dann programmatisch so:

"Unsere Blicke / schlugen Funken / Nur kurz / stand das Herz / in Flammen / Noch schwelt / das Feuer."

Friedrich Hirschl. Stilles Theater, Gedichte; Edition Lichtung, 144 Seiten, 15,90 Euro. Die nächsten Lesungen von Hirschl: 27. Okt., Stadthalle in Viechtach; 18. Nov., Gasthof Haiböck in Wegscheid; 29. Nov., Literaturzentrum Nord in Nürnberg