Leonardo DiCaprio Jetzt lach doch mal!

"Titanic" katapultierte ihn in Hollywoods erste Liga. Doch Rekorde und Geld interessieren Leonardo DiCaprio nicht. Er möchte am liebsten schneller altern, als es die Natur gestattet und nur noch Filme drehen, die das Zeug zum Klassiker haben. Ob er auf die Tour endlich einen Oscar bekommt?

Von Roland Huschke

Wenn man nicht wüsste, dass er seit der Pubertät enorm ambitionierte Kinofilme dreht, könnte man Leonardo DiCaprio auch für einen ziemlich schneidigen Politiker halten. Ein Jungliberaler vielleicht, ein Neocon gar - so scharf ist das zurückgeklatschte Haar gescheitelt, so gut sitzt der Maßanzug und so wahnsinnig wichtig sind die Mienen der Menschen, die ihren Klienten abschirmen auf dem Weg zum Podium seiner Pressekonferenz.

Tatsächlich handelt es sich um einen inoffiziellen Wahlkampfstart bei diesem Termin in Los Angeles, für den DiCaprio kurz aus Australien eingeflogen ist und die Dreharbeiten zu Baz Luhrmans "The Great Gatsby" unterbrach. Das unterdrückte Gähnen ob des Jetlag hätte er kaum nötig als erfolgreichster Schauspieler der Welt. Auf 77 Millionen Dollar bezifferte Forbes sein letztjähriges Einkommen als Hollywood-Spitzenreiter. Geschuldet den Gewinnbeteiligungen an "Shutter Island" und "Inception", die weltweit zusammen 1,2 Milliarden Dollar Kasse machten.

Doch schnödes Geld und Rekorde spielen längst keine Rolle mehr in den Karriereplanungen des 37-jährigen "Titanic"-Veteranen. "Ich verbringe oft quälend viel Zeit bei der Wahl von Projekten", erklärt er hingegen seine Motivation, "weil ich wenigstens die Chance haben möchte, an etwas Außergewöhnlichem mitzuwirken. An Filmen, die über den Zeitgeist hinaus Bestand haben und mit dem Abstand von Jahrzehnten vielleicht das Zeug zu Klassikern der Filmgeschichte haben."

Sein jüngster Anlauf zur (Leinwand-)Unsterblichkeit heißt "J. Edgar" und beschreibt von ungeahnten Pionierleistungen als Kriminologe bis zum bitteren Ende als Paranoiker das Leben und Wirken von FBI-Chef J. Edgar Hoover. Ein Mann, der im kollektiven Unterbewusstsein Amerikas bisher nicht nur als kommunistenfressendes Schreckgespenst verankert war, das über fünfzig Jahre und unter acht US-Präsidenten einen bizarren Überwachungsstaat im Staate errichtete. Sondern auch als Freak, der heimlich die Kleider seiner Mutter trug oder John F. Kennedy obsessiv beim Beischlaf mit Miss Monroe belauschte. Unter der Regie Clint Eastwoods wird Hoover in "J. Edgar" von der mythischen Ebene zurück auf eine menschliche Fallhöhe gebracht - und DiCaprio müht sich in jedem Bild nach Kräften, einen Sack voller Widersprüche in einer Figur zu bündeln. Eine Power-Performance mit permanent tiefen Stirnfalten und bösen Blicken wie aus Schießscharten mithin, die wie automatisch eine Golden Globe-Nominierung bekam und DiCaprio seine vierte Oscar-Nominierung bringen dürfte.

Leos Luxusproblem ist nur: Nach Brancheneinschätzung hat er beim Oscar wohl wieder keine Chance.

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