Der Gefühlshaushalt vieler Endvierziger bis Anfangssiebziger wäre deutlich ärmer ohne ihn: Leonard Cohen, altersweiser Barde, ist wieder auf Deutschland-Tour.
Nächsten Monat wird er 76. Das ist ein veritables Alter für jedermann und allemal für einen, der sein Geld immer noch mit jener Art von Musik verdient, die manche Unkundige pauschalisierend Popmusik nennen.
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Altersweiser Barde auf Deutschland-Tour: Der 75-jährige Leonard Cohen. (© AP)
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Leonard Cohen aber, der kanadische Poet mit osteuropäisch-jüdischen Wurzeln, macht keine Popmusik. Er hat Songs geschrieben, von denen einige schon jetzt zu den Leitliedern des letzten Drittels des 20.Jahrhunderts zu rechnen sind. Darüber hinaus wäre der Gefühls- und Assoziationshaushalt vieler Endvierziger bis Anfangssiebziger zwischen Seattle und Oslo, zwischen Edinburgh und Lörrach deutlich ärmer ohne "Suzanne", "Chelsea Hotel" oder "Tower of Song".
Nach 15-jähriger Bühnenabstinenz begann Cohen im Mai 2008 wieder zu touren. Seitdem ist er bei vielen Konzerten in Europa und Kanada aufgetreten; in den USA war er auch, allerdings eher sporadisch. Die Amerikaner konnten schon früher nicht so viel mit dem eher altweltlichen Barden der dunklen Gefühle anfangen. Am Mittwoch wollte Cohen in Berlin auftreten, weitere Termine stehen in Stuttgart, Hannover und Dortmund an.
Wer in der letzten Zeit so ein Konzert besucht hat, der ahnt, dass der junge Cohen eigentlich seine Songs für den alten Cohen geschrieben hat. Seine Stimme hat sich gewandelt, aus dem einstigen Brummeln eines depressiven Baritons ist ein gelassener Altersbass geworden.
Der Senior nimmt seine Zuhörer an die Hand und bummelt mit ihnen durch sein Repertoire von "Tonight will be fine" bis "Hallelujah". Er hat Spaß daran, und die Konzerte dauern mit einer Pause an die drei Stunden. Leonard Cohen war vielleicht nicht immer in Würde jung, aber seine Art des Alters in Würde, und das noch dazu auf der Bühne, ist bemerkenswert.
Noch vor seiner ersten Platte ("Songs of Leonard Cohen", Dezember 1967) erschienen Gedichtbände und ein Roman aus seiner Feder. Auch wenn man seine späteren Platten (etwa "I'm your Man", 1988 oder "The Future", 1992) nicht unterschätzen sollte, gehören die ersten drei Alben, und besonders "Songs from a Room", 1969, zum Kanon der Populärmusik des letzten Jahrhunderts. Es kommt nicht von ungefähr, dass Cohens Musik von vielen anderen Bands gecovert worden ist.
Cohen hat im Alter ein entspannteres Verhältnis zum Umgang mit Menschen gefunden. Davor verschwand er im Laufe seines Lebens immer wieder mal gerne aus der größeren Gesellschaft.
In den sechziger Jahren verbrachte er einige Zeit auf der griechischen Insel Hydra, wo es auch zu Dingen mit einer gewissen Marianne kam, der Freundin eines Freundes, was seinen Fans den schönen Song "So long, Marianne" bescherte. In den Neunzigern lebte Cohen ein paar Jahre in einem kalifornischen Zen-Kloster; dort nannte man ihn Jikan, Schweigen.
Sein Verhältnis zu Frauen war nicht immer einfach. In den siebziger Jahren war er einmal verheiratet; ein Sohn und eine Tochter entstammen der Ehe. Mit Geld konnte er mäßig umgehen, jedenfalls deuten darauf Prozesse gegen seine Ex-Managerin und eine Investmentfirma hin. Abgesehen davon, dass er mit seiner jüngsten Konzertserie Fans erfreut, verdient er damit auch Geld, das er anderweitig verloren hat.
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(SZ vom 19.08.2010/rus)
Umweltstiftung WWF in der Kritik
.. hoffe er singt auch mein Lieblingslied wieder:
...first we take manhattan, than we take berlin.
Gruß und viel Spaß.
Cohen hat mit seinen fast 76 Jahren noch immer eine Ausstrahlung, von der alle die vielen hochgejubelten "Superstars" nur träumen können. Selbst die DVD von seinem London-Concert macht das deutlich. Seine Gelassenheit, sein etwas skurriler Humor und natürlich seine Songs machen ihn zu einem der ganz Großen in der Musik.
Ich hoffe er macht noch lange weiter!