Wohl einfach darum, weil sie ist, wie sie ist, ein bisschen schräg, ein wenig durchgeknallt, "verpeilt", wie sie das nennt, und doch ganz normal, ein sauberer Star, aber überhaupt nicht langweilig, jemand, der mehr Persönlichkeit besitzt als Professionalität und sich dadurch wohltuend abhebt von all den durchformatierten Talenten aus der Casting-Retorte.
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Es ist schon ein irritierender Widerspruch zwischen dem zarten Flämmchen Individualität, das Lena Meyer-Landrut verkörpert, und den unzähligen Händen, die sich darum legen, damit es nicht erlischt, und dieser Widerspruch spiegelt natürlich auch die deutsche Bewusstseinsspaltung wider:
Man möchte ja so gern anders sein - locker und flapsig wie Lena, ausdrucksstark und fragil, aber dabei ungekünstelt, vibrierend vor Energie und vor allem undeutsch - und züchtet doch diese Abweichung bestenfalls beflissen-verbissen, bis sie jeden Zauber verliert.
Lena ist anders anders, und so erscheint es tatsächlich wie ein kleines Wunder, dass Lena für Deutschland singt, die anfangs viel zu exzentrisch wirkte fürs streberhafte deutsche Wesen. Vor fast dreißig Jahren, als Nicole als erste und einzige Deutsche den Eurovision Song Contest gewann, war ihr Titel "Ein bisschen Frieden" das Lied, das Mut machte. Heute ist "Ein bisschen anders" der heimliche Refrain der deutschen Ambitionen in Oslo.
Bedenkenlose Daumendrücker
Dass diese Frau auf die Bühne gehört, sah man jedoch im ersten Augenblick, die Frage war nur, auf welche. Wer Anfang des Jahres beim Verzweiflungs-Zappen durch die Kanäle bei "Unser Star für Oslo" landete, wo gerade Lena Meyer-Landrut einen Auftritt hatte, konvertierte binnen eines Liedes vom kritischen Medienkonsumenten zum bedenkenlosen Daumendrücker.
"Crazy Huhn" wurde sie genannt, der geballte Sachverstand in der Jury wunderte sich amüsiert über ihren Bühnen-Moonwalk, der statt nach vorn, zur Rampe, stets nach hinten losging, rätselte über Sprechgesang und koboldhafte Lautmalereien. Einig war man sich jedoch über Lenas enorme Bühnenpräsenz, ihre Ausstrahlung, gerühmt wurden Gestik und Mimik, die Inständigkeit, mit der sie eben nicht nur ihr Lied sang, sondern eine Geschichte erzählt.
Lena Meyer-Landrut spielt mit dem ganzen Körper vor, was sie besingt, und darum ist es eher enttäuschend, sie nur zu hören und nicht zu sehen. Belanglos und stromlinienförmig klingt ihre erste CD "My Cassette Player", schnell gestrickte Massenware, um die Meute zu befriedigen, nachdem Lena sich mit gleich drei Liedern, die sie in der Vorauswahl vorgetragen hatte, unter den ersten fünf der Hitparade platzieren konnte.
Eigenwilliges Showtalent
Dabei war sie beim Casting mit eher ungewöhnlichem Singersongwriter-Material von Kate Nash und Lisa Mitchell angetreten, und wer ihr Eigenbau-Englisch verlacht, sollte sich vor Augen halten, dass sie da Strophen gemeistert hat, die voller Fußangeln stecken.
Lena geht es nicht um Textverständlichkeit, sondern darum, Worte in Ausdrucksgebärden umzuschmelzen, und deshalb ist auch ihre Sprachbehandlung ein Beispiel für die Fähigkeit, sich ihre Lieder anzuverwandeln, ihnen den Stempel ihrer Persönlichkeit aufzudrücken, die unverkennbare Lena-Signatur. Das merkt man so recht erst, wenn man ihre Cover-Versionen mit den Originalen vergleicht. Sie imitiert eben nicht, sie interpretiert.
Lena Meyer-Landrut mag keine sonderlich markante Sängerin sein, aber sie ist eine begnadete Schauspielerin, wenn sie singt. Und ein höchst eigenwilliges Showtalent. Im Magazin der Hamburger Zeit gab sie zu Protokoll, wichtiger als der Traum von Harley und Bauernhof sei für sie, in Berlin Schauspiel zu studieren. Diesen Traum habe sie nicht aus den Augen verloren. Bevor sie lernt, andere Rollen zu spielen, spielt sie erst mal nur sich selbst, und das beherrscht Lena bereits perfekt.
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(SZ vom 28.05.2010/rus)
Partyzone Flußufer
was, in Gottes Namen, soll das? Halten wir fest: eine junge Frau gewinnt ein Ferseh-Casting. Sie ist von ihrem Wesen her das Gegenteil aller Casting-Püppchen, ist frech etc. Ja. Aber der ganze Zirkus ist nichts anderes als vom Vermaktungs-Genie Raab inszeniertes Brimborium und sie, Herr Schmidt, sind ihm auf den Leim gegangen. Ihre Verknalltheit in allen Ehren aber behalten sie's doch für sich. Daraus, dass Millionen(?) Leute auf diesen Hype hereinfallen deuten sie als Indikator für die "Befindlichkeit" des "Wesens der Deutschen"? Woher nimmt man einen gequirlten Mist wie diesen? Meiner Kenntnis nach sind Sie u.a. Dozent für Journalismus. Würden sie diesen Artikel bitte als Negativbeispiel Ihren Studenten zukommen lassen? Ich fasse es nicht …
Ich schmeiss mich hier grad sowas von wech - herrlich... wie bescheiden muss das Leben eigentlich sein, damit man wirklich gegen alles ist?
Mal ganz im Ernst, das Mädel hat mit ihrem Debütalbum wahrscheinlich schon jetzt mehr Kohle verdient und mehr Aufmerksamkeit bekommen als ihr Forentrolle in eurem ganzen Leben bekommt - kann es also sein, dass eure Missgunst durch Neid motiviert ist? Ich würd sagen: Ja! :-)
"Love oh love..." tralalala :-P
Das gab es doch schon oft.Ich denke da an N.Kinski die Hochgelobt wegen des Namens im Nirvana verschwunden ist.
Diese Art Mensch versucht Erfolg zu haben aber sie werden von dieser Industrie ausgepresst und weggeworfen.Erst gepuscht und dann zum Saladdy gemacht!
- die gute Stimme hatte bei der Auswahl die als Zweite plazierte Teilnehmerin, die allerdings von Stefan Raab nicht gepusht wurde wie Lena.Lena kann nicht mal richtig intonieren.Immer haarscharf daneben.Wer Ohren hatte, zu hören, dem tat das richtig weh.
Und @metri,aus_dem_exil, bad_timing,anonym: Ich schließe mich ebenfalls an.
bei aller Sympathie : Kann man bei diesem Hype authentisch bleiben? Kann man ohne exhibistischen Willen zur Bühne finden?
Wenn Lena sich in einem Jahr in einer Schauspielschule wiederfindet, schön....wichtig ist egentlich nur, dass sie ihre bedürfnisse befriedigt , und nicht nur die von Popmarketingprofis wie raab und bohlen.
Paging