Landkreis München Coole Oberstreber

Filmreifer Auftritt: Alex Spöri (l.) und Luca Zug sind erstaunlich zielstrebig in dem, was sie tun.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Alexander Spöri und Luca Zug von den "Movie Jam Studios" sprechen über die Erfahrung, einen Preis von Senta Berger und Michael Verhoeven zu empfangen, und ihre Pläne

Interview von Christina Hertel

Wenigstens nicht nur Mädchen und Party im Kopf. Das denken Erwachsene vielleicht, wenn ihnen ein paar Jugendliche von ihrem nächsten Filmdreh erzählen. Bei den Elftklässlern Alexander Spöri, Luca Zug, Leon Golz, Julian Heiss, Vitus Rabe, Colin Maidment und Paul Schweller aus Taufkirchen jedoch sollten auch Erwachsene die Sache ernst nehmen. Als Movie Jam Studios verwirklichten sie in den vergangenen drei Jahren drei Filme - ohne Schul-AG und ohne Lehrer, der ihnen dafür eine Eins ins Notenheft eingetragen hätte.

Besondere Aufmerksamkeit erzielte ihr jüngster Dokumentarfilm "Unvergessen". Er handelte von dem Anschlag im Olympia-Einkaufszentrum. Die Jugendlichen interviewten dafür Angehörige und Freunde der Opfer. Für diese Leistung überreichten die Schauspielerin Senta Berger und ihr Mann, der Regisseur und Produzent Michael Verhoeven, den Jugendlichen den Tassilo-Preis. Wie es nun weitergeht und was sie mit der Visitenkarte von Verhoeven anstellen, erzählen Luca Zug und Alexander Spöri im Interview.

SZ: Über euren letzten Film berichteten Medien in ganz Deutschland. Jetzt hat euch Senta Berger den Tassilo-Preis überreicht. Wie finden eure Klassenkameraden eigentlich, was ihr macht? Seid ihr für sie cool oder die Oberstreber?

Alexander Spöri: Heute Morgen im Matheunterricht hat unsere ganze Klasse ein Interview angehört, das der Bayerische Rundfunk mit uns geführt hat. Da waren die meisten schon sehr überrascht, was wir alles machen und welche Aufmerksamkeit wir bekommen. Die Folge ist, dass immer mehr Leute bei uns mitmachen wollen. Alleine in den vergangenen drei Wochen haben wir drei Anfragen bekommen. Aber wir haben keinen Höhenflug. Es ist eher so, dass wir denken: Jetzt muss es weiter gehen, dass wir in ein, zwei Jahren noch viel mehr erreichen.

Der Filmregisseur Michael Verhoeven hat euch seine Visitenkarten gegeben. Habt ihr mit ihm schon etwas für euren neuen Film ausgemacht?

Luca Zug: Wir haben nichts direkt ausgemacht, aber ein bisschen geredet. Hoffentlich ergibt sich da mal was, dass wir uns mit ihm mal länger über unsere Filme unterhalten können. Doch ganz egal, was passiert: Senta Berger und Michael Verhoeven - das sind so große Namen im deutschen Film. Für uns ist es eine Ehre, von ihnen einen Preis entgegen zu nehmen.

Euer nächster Film ist bereits in Planung. Worum soll es gehen?

Spöri: Bei unserem nächsten Film stehen wieder die Jugendlichen im Mittelpunkt. Wir blicken auf die Digitalisierung. Und es soll um psychische Krankheiten und Belastungen gehen, die Jugendliche heutzutage haben.

Inwiefern ist euer Leben als Jugendliche schwerer, als es das eurer Eltern war?

Zug: Ich würde nicht sagen, dass es Jugendliche in unserem Alter schwerer haben als früher. Die Belastungen haben sich einfach verändert. Ich denke, da spielt die Digitalisierung eine große Rolle. Durch soziale Medien hat der Druck unter Jugendlichen zugenommen. Viele junge Frauen folgen zum Beispiel Beautybloggerinnen, die einen perfekten Körper haben und tolle Bilder von exotischen Locations posten. Dadurch entsteht bei den jungen Frauen ein Erwartungsdruck, der zu psychischen Problem führen kann.

Wie weit seid ihr mit den Dreharbeiten momentan?

Spöri: Wir sind seit vier Monaten in der Recherchephase und führen Gespräche mit Universitäten und Krankenhäusern. Wir wollen auch mit Jugendlichen sprechen. Premiere soll erst Ende des Jahres sein.

Zug: Feststeht, dass es wieder einen spielfilmartigeren Teil geben wird und einen dokumentarischen mit Interviews. Insgesamt soll der Film größer, besser, aufwendiger werden.

Da kommt das Preisgeld wahrscheinlich genau richtig. Was stellt ihr genau damit an?

Zug: Durch das Geld können wir unsere Drehs größer gestalten und bessere Technik verwenden. Und wir können Schauspieler bezahlen. Es ist nicht üblich, dass Amateurschauspieler eine Gage bekommen. Wir wollten das aber schon immer gerne machen. Bei diesem Projekt können wir das umsetzen.

Nächstes Jahr macht ihr Abitur. Was kommt dann?

Zug: In unserem Team gibt es verschiedene Richtungen. Alex will lieber was Journalistisches machen, ich würde lieber in Richtung Film gehen. Und dann haben wir noch Kameramänner, die auf alle Fälle in dem Bereich studieren oder eine Ausbildung beginnen wollen.

Macht es euch traurig, wenn ihr daran denkt, dass sich eure Gruppe nach dem Abi vielleicht in der ganzen Welt verteilt?

Spöri: Wir glauben fest daran, dass wir irgendwann in unserer eigenen Produktionsfirma zusammen Filme drehen. So ähnlich wie wir das ja heute schon tun.