Kurzkritiken zu den Kinostarts der Woche:Tolle Schauplätze, volle Schnurrbärte

Darf man als Linker eine Putzfrau haben? Was ist der Unterschied zwischen deutschen und dänischen Männern? Darf man eine Hure lieben und alle anderen hassen? Fragen wie diese begegnen uns derzeit im Kino. Für welche Filme sich der Kinobesuch lohnt - und für welche nicht.

Von den SZ-Kinokritikern

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(Foto: dpa)

In "Harms" begegnet uns Heiner Lauterbach mit vollem Schnauzer, so wie auch in "Meteora" Bärte gezeigt werden, neben einem grandiosen Schauplatz für die verbotene Liebe. "Angélique" ist packend, aber ohne Charme. Für welche Filme sich der Kinobesuch lohnt - und für welche nicht. Angélique Ariel Zeitoun hat die prärevolutionäre Heldin Angélique reanimiert: Der Sonnenkönig ist noch an der Macht, Angélique verliebt sich in den Freigeist, mit dem sie schon verheiratet wurde, und als der verhaftet wird, muss sie sich in Paris allein durchschlagen. Mutet modern an, wacklig und schnell geschnitten, und Angélique ist auch ein bisschen zupackender als früher. Nützt aber nix, irgendwie ist dabei der trashige Charme der alten Filme auf der Strecke geblieben. Susan Vahabzadeh Im Bild: Nora Arnezeder als Angélique und Tomer Sisley als Baron Philippe de Plessis-Belliere.

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(Foto: Neue Visionen)

Chasing the Wind Hübsches norwegisches Mädchen macht in diesem hübschen norwegischen Drama vor hübscher norwegischer Landschaft die Jungs verrückt und arbeitet ihre weniger hübsche Familiengeschichte auf. Außerdem lernen wir bei Rune Denstad Langlo den Unterschied zwischen deutschen, dänischen und norwegischen Männern kennen - und wie man sich einen anständigen Sarg zimmert. David Steinitz Im Bild: Marie Blokhus als Anna und Frederik Meldal Nørgaard als Mathias

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(Foto: dpa)

Harms Wie Heiner Lauterbach mit vollem Schnauzbarteinsatz den müden Gangster Harms spielt, der eine Hure liebt und alle anderen hasst: wunderbar. Wie Nikolai Müllerschön ihn zwischen Eckkneipen- und Wurstbudendialogen inszeniert, während er sein letztes großes Ding auf die Beine stellen will: nicht ganz so wunderbar - weil doch sehr nah an alten Gangsterfilmklischees. David Steinitz Im Bild: Friedrich Von Thun (links) als Knauer und Heiner Lauterbach als Harms

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(Foto: dpa)

Meteora Die berühmten Felsenklöster hoch oben in den Bergen Thessaliens sind der grandiose Schauplatz für eine verbotene Liebe zwischen einem griechischen Mönch und einer russisch orthodoxen Nonne. Der junge, griechische Regisseur Spiros Stathoulopoulos erzählt vom Ringen zwischen Glaube und Liebe, Kirche und Welt. Das asketische Klosterleben oben auf der Felsspitze kontrastiert er kunstvoll mit dem naturnahen Alltag der Bauern im Tal, den erlesenen Realfilm mit der Animation eines byzantinischen Ikonenbildes, in dem sich die reale Welt vieldeutig spiegelt und bricht. Anke Sterneborg Im Bild: Theo Alexander als Theodoros und Tamila Koulieva-Karantinaki als Urania

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(Foto: dpa)

Oktober November Herbstliches Voralpenland. Ein abgelegener Gasthof. Zwei ungleiche Schwestern (brillant: Nora von Waldstetten und Ursula Strauss), die nach langen Jahren der Entfremdung am Sterbebett des Vaters wieder zueinander finden. Götz Spielmann gelingt ein Familiendrama von außerordentlicher Schönheit und Intensität. Große existentielle Themen, seismographisch erspürt und durchpulst von einer Poesie der Versöhnung. Rainer Gainsera Im Bild: Nora von Waldstätten als Sonja

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(Foto: dpa)

Tinkerbell und die Piratenfee Im neuen 3D-Abenteuer der "Disney Fairies"-Reihe rund um die stupsnasige TinkerBell wird klar, was Eingeweihte schon lange wissen: Die Essenz des Feenstaubs, mit dem die Zauberwesen aus Peter Pans Inselwelt ihre Flügelchen beträufeln, ist weniger Magie als Zusammenhalt. Gleich sieben Feen stellt Peggy Holmes als bunte Girl Power-Einsatztruppe Captain Hooks Piratenmeute entgegen. Liebenswürdig rasante Fantasy-Animation. Neu im Kino: "Tinkerbell und die Piratenfee" vorgestellt per Video. Annett Scheffel

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(Foto: déjà vu Filmverleih)

What's Left? Was ist heutzutage noch links? Darf man als Linker eine Putzfrau haben? Solche Fragen stellen die italienischen Regisseure Gustav Hofer und Luca Ragazzi sich selbst und Passanten auf der Straße. Die daraus resultierenden Debatten ergeben eine amüsante, selbstironische Dokumentation über die Orientierungsprobleme der Linken - Kenntnisse der italienischen Innenpolitik sind da sehr von Vorteil. Martina Knoben Im Bild: Luca Ragazzi (links) und Gustav Hofer

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(Foto: missingFilms)

Noseland "Ist Musik nicht genauso abstrakt, wie die menschliche Nase?" - Sätzen wie diese kommen heraus, wenn der Komponist, Dirigent, Geiger und in diesem Fall Filmemacher Aleksey Igudesman mit seinen Interviewpartnern philosophiert. Leider stehen sie allesamt irgendwann entnervt auf und gehen. John Malkovich, einer der prominenten Darsteller, soll den Film lieben. Die überdrehte Mockumentary über den Wiener Geigenstar Julian Rachlin und sein Festival "Julian Rachlin and Friends" in Dubrovnik entlarvt tatsächlich hübsch die pathetische (Bild-)Sprache manch Musikerdoku. Dass der Film ständig seine eigenen Pointen erklärt, nervt aber irgendwann. Anna Mayrhauser

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(Foto: dpa)

Das Schicksal ist ein mieser Verräter Hazel Grace (Shailene Woodley) hat Krebs; das hindert sie nicht daran, sich in einen hinreißenden, einbeinigen Sunnyboy aus der Selbsthilfegruppe für Krebskranke zu verlieben. Eine Teenieromanze unter Sterbenden - da ist man der Rührung schutzlos ausgeliefert. Josh Boones Verfilmung von John Greens Bestseller ist der Vorlage treu geblieben: Ein echter Tearjerker mit einer guten Dosis Comic Relief - perfekte Manipulation. Neu im Kino: "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" vorgestellt per Video. Eine ausführliche SZ-Rezension lesen Sie hier. Susan Vahabzadeh Im Bild: Shailene Woodley als Hazel Grace und Ansel Elgort als Augustus Waters

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