Kurzkritiken Die Stadt als Hölle

Zwölf französische Autoren liefern in "Paris Noir" eine schwarze menschliche Komödie. Und John Hart führt uns auf die "Redemption Road".

Von Fritz Göttler

Pariser Hölle

Ein Dutzend Erzählungen aus Paris, der "unvermeidlichen Stadt". Die Gespenster der Vergangenheit begegnen den Schrecken der Moderne, das Urwüchsige mischt sich mit dem Intellektuellen. Eine schwarze menschliche Komödie, das Genre erlaubt großzügig subtile Formen von Manierismus für die Autoren, von Chantal Pelletier bis Jean-Bernard Pouy, Dominique Mainard bis Laurent Martin. Es geht quer durch die Viertel der Stadt, Zatopek joggt um die Place des Vosges, zwei Nutten aus dem Osten übernehmen sich in einem dubiosen Diamantendeal, zwei junge Araber ziehen auf einem so gemächlichen wie brutalen mörderischen Zug durchs Quartier Latin, durch die Rue du Fouarre, die einst mit Stroh bedeckt war, auf dem Studenten sich für den Unterricht niederließen - wie der eine, der Große Bruder, erzählt. Er weiß alles, über Notre-Dame, Dante, die Hölle, er verweist, wenn man ihn nach seiner in Sarajevo erhaltenen Verletzung fragt, auf "Fiesta" von Hemingway.

Aurélien Massons (Hrsg.): Paris Noir. Storys. Aus dem Französischen von Zoë Beck, Karen Gerwig, Jan Karsten, Martin Spiess. CulturBooks, Hamburg 2017. 341 Seiten, 15 Euro. E-Book 9,99 Euro.

Freier Wille

Ein Junge klaut die Pistole seines Vaters, nachts, verlässt das Haus, springt auf einen Zug, er will den Mann erschießen, der seine Mutter umbrachte, scheint es. Dreizehn Jahre war der Mann dafür im Gefängnis, Adrian, der Ex-Cop, grausame Erfahrungen hat er dort gemacht. Nur Elizabeth glaubt an seine Unschuld, die suspendierte Polizisten, die eben das Mädchen Channing aus der Gewalt zweier Vergewaltiger gerettet, ein ganzes Magazin in sie hineingeschossen hat. Polizeibrutalität!? "Die Stadt zerfällt, dachte sie. Sie selbst zerfiel." Familien, zerrissen bis zur Perversion, sind das große Thema der amerikanischen Kultur, von William Faulkner bis John Ford. Das Epische im Provinziellen. John Hart singt in "Redemption Road" ein Hohelied von Solidarität und Vertrauen. Liz nimmt Channing in einen Steinbruch mit. "Dort unter den Bäumen wurde ich vergewaltigt, als ich siebzehn war." Sie weiß, nur eins kann das alles wieder in Ordnung bringen. "Der freie Wille ... Dein Wille."

John Hart: Redemption Road. Straße der Vergeltung. Aus dem Englischen von Rainer Schmidt. C. Bertelsmann Verlag, München 2017. 608 Seiten, 20 Euro. E-Book 14,99 Euro.