Kurzkritik Pi mal Gaumen

Käptn Pengs neunmalkluge Wortkunst

Von Bernhard Blöchl

Käptn Peng hat einen Knall, auf die schönste Art und Weise. Er nennt sein Album "Das nullte Kapitel", fordert auf der Bühne eine Sockenpuppe zum philosophischen Diskurs heraus, rattert rhythmisch das Abc herunter und spielt mit dem Gastrapper Ben Pavlidis "Identitetris". In Pengs Texten verwandeln sich Menschen in Füchse und Füchse in Vögel, da wimmelt es von "Flotten von Mutanten", von Paradoxen, Sinn- und Schöpfungsfragen, und wenn er von einer unmöglichen Überliebe erzählt, dann nennt er das "Tango im Treibsand".

Hinter Peng, der mit seiner fulminant rumpelnden Band Die Tentakel von Delphi mal eben die Muffathalle ausverkauft, steckt das Berliner Multitalent Robert Gwisdek. Der 33-Jährige ist der Sohn von Corinna Harfouch und Michael Gwisdek, vor allem aber ist er selbst Schauspieler, Romanautor ("Der unsichtbare Apfel") und Musiker. Und misst man einen Rapper daran, was er zu sagen hat und wie er dies tut, dann ist Käptn Peng einer der besten, auf jeden Fall der denkfreudigste und originellste. Er ist das doppelte Grübchen in der Fratze des Hip-Hop, die verwinkeltste Geheimratsecke, die tiefste Stirnfurche. Weil er die Polarität des Lebens durchschaut und sie in wortverliebte wie satzfeine Zeilen gießt. Er ist Schelm und Philosoph, kindisch und weise, traumwandlerisch und präsent.

Beim beschwipst gefeierten München-Konzert zeigt sich das positiv Schizophrene etwa darin, dass der Wortführer eben noch den Nonsens-Party-Feger "Wobwobwob" in die Menge pumpt, um sich sogleich in die metaphorische Ergründung der Kreiszahl Pi zu stürzen. Die Textflut im Kuriositätenkabinett ist schwindelerregend, dazwischen gibt es Freestyle-Einlagen, Rap-Duette mit seinem Bruder Johannes alias Shaban, der auch in der Band trommelt. Ein Fest des Surrealen ist diese Hip-Hop-Party, das sich selbst nicht allzu wichtig nimmt. Oder, wie Peng sagt: "Die Wahrheit ist ein ernster Clown. Sie lacht sich selber aus."