Kurzkritik Lust am Spiel

Der Tuareg-Musiker Bombino brilliert im Ampere

Von Martin Pfnür

Was so ein Instrumentenwechsel doch für Effekte zeitigen kann: Gerade noch spielten sich der nigrische Gitarrist und Songschreiber Omara "Bombino" Moctar und seine mauretanisch-amerikanische Begleitband im gut gefüllten Ampere mit einem Akustik-Set warm, das im Kontrast zwischen Moctars virtuos verschnörkeltem Gitarrenspiel und perkussiven Elementen wie der Djembe und der Calabash (ein ausgehöhlter Kürbis, dem man mit der Faust einen satten Beat entlockt) recht sanft in den Abend führte, da wurden auch schon die E-Gitarren gereicht, die Djembe-Trommel gegen ein Schlagzeug eingetauscht - und unter euphorischer Juchzerei im Publikum der zweite, ungleich intensivere Teil des Abends eingeläutet.

Dass das zwischen Algerien, Mali, Libyen, Burkina Faso und dem Niger die Sahara durchkreuzende Nomadenvolk der Tuareg großartige Musiker hervorgebracht hat, ist ja im Grunde keine Neuigkeit mehr. Die Verbindung zwischen der spirituellen Tiefe des Blues, der Urkraft des Rock und der synkopisch geprägten Verspieltheit in der Musiktradition der Tuareg haben auch schon Bands wie Tinariwen oder Terakaft hergestellt. Während der Schwerpunkt bei letzteren jedoch eher im Rock liegt, ist Bombinos Interpretation dieser Musik ungleich mehr im filigranen, schwebenden, ätherischen Segment zu Hause, was ihm immer wieder (durchaus berechtigte) Vergleiche mit Jimi Hendrix - und auch einen Produzenten wie Dan Auerbach von den Black Keys bescherte, der seinem zweiten Album "Nomad" den Feinschliff verpasste.

Nun griff er also zur Elektrischen, ließ die ersten Töne des hypnotischen Zwölfminüters "Mahegagh" hören und entfaltete mit Beginn dieses zweiten Teils des Konzerts einen Sog, dem man sich nur schwerlich zu entziehen vermochte. Da war vor allem diese Kombination aus unprätentiösem, fast kindlichem Auftreten, erfrischend ungekünstelter Spielfreude und der warmen, durch und durch positiven Klangsprache dieser einnehmenden Stücke, die erst ihre Struktur wahrten, dann mehr und mehr zerfransten, um schließlich immer wieder im ausufernden Jam zu münden, und dabei den Raum mit einer Energie fluteten, auf die man letztlich nur tanzend adäquat reagieren konnte. Chapeau, Monsieur Moctar!