Kurzkritik Liebenswert

Tollwood: Manolo Alcántara mit "Rudo"

Von Petra Hallmayer

Hinkend kommt ein Mann in staubgrauer Arbeitskleidung herein und spuckt in die Hände. Ächzend und stöhnend schleppt er Holzkisten umher, die er zu kippligen Konstruktionen aufeinander wuchtet, und dreht plötzlich in seinen klobigen Schuhen, die ausschauen, als seien sie bestenfalls pogotauglich, auf der Spitze seines Hinkefußes eine Pirouette. Mit kantig ungelenken Zuckungen, die in anmutig fließende Bewegungen übergehen, tänzelt der finster dreinblickende Kerl durch die Manege.

Es sind diese Kontraste, die den besonderen Reiz des katalanischen Gastspiels "Rudo" ausmachen. Ganz nahe vor den Zuschauerreihen baut Manolo Alcántara im Tollwood-Theaterzelt aus den Kisten zwei abenteuerlich wackelnde Türme, zwischen denen er eine Eisenstange befestigt, über die er rücklings rutscht und mit einer weiteren Stange balanciert. Flink lässt er sie über seine Arme und seinen Nacken gleiten und immer wieder bedrohlich auf uns zu kippen. Eine Frau geht nach wenigen Minuten hinaus, weil der Stab gar zu dicht an ihrem Kopf vorbeiwirbelt. Tatsächlich will Alcántara den Zuschauern ein bisschen Angst machen, und das gelingt ihm offenbar bei einigen. Doch auch wer nicht dazu gehört, hat seine Freude an der Kombination von gewitzten Bauklötzchenspielen für Erwachsene und Schwerarbeiterartistik, die zwei Musikerinnen mit Violine und Cello begleiten. Zum Ausklang der einstündigen Nouveau-Cirque-Show mit Straßentheater-Charme bastelt der Katalane aus Brettern und Kisten mit phantastischer Präzision einen Torbogen.

"Rudo" ist kein sensationelles Event, von dem man noch seinen Urenkeln erzählen wird, aber eine kleine, liebenswerte Performance. In der schönsten Nummer balanciert Manolo Alcántara zu wehmütig sehnsuchtsvoller Geigenmusik mit einer hölzernen Marionette über die Stange. Wie er das filigrane Geschöpf behutsam vor sich herführt, dieses mit winzigen Schritten vor seinen schweren Schuhen dahin schreitet, das ist einfach zauberhaft.