Kurzkritik Lagerfeuerromantik

M. Wards lauschiges Solo-Konzert im Strom

Von Martin Pfnür

Zwei akustische Gitarren, ein Barhocker, ein Mikro - es brauchte nicht viel Fantasie, um beim Blick auf die Bühne zu erahnen, dass dieser Abend im sparsam besuchten Strom ein musikalisch eher puristischer werden würde. Und dennoch: Etwas enttäuscht durfte man schon sein, als Matthew Stephen Ward schließlich ganz allein mit einem Pappbecher auf die Bühne schlich, um mit einem hübschen, wenngleich nicht immer ganz sauber gespielten Instrumental das erste Stück "For Beginners" anzubahnen.

Die Kunst des Mannes aus Portland, Oregon, liegt bei allem Songwriting-Talent immer auch in den feinen Details seines Studiosounds, in dem Elemente aus Folk, Blues und Country zu einer Americana amalgamiert werden, wie sie beseelter und klangtüfteliger kaum sein könnte. Hört man sich durch Alben wie "Post-War" oder "Hold Time" geht einem nach wie vor ebenso das Herz auf wie im Falle seines neuesten Streichs "More Rain", der ihn nun nach München führte.

Zum Glück basieren fast alle M. Ward-Songs auf der akustischen Gitarre, was sie entsprechend für einen Solo-Gig prädestiniert. So brauchte es auch nicht lange, bis sich zwischen Ward und dem andächtig lauschenden Publikum eine Art Lagerfeuer-Atmosphäre entspann. Ohne Setlist ging es da zwischen neuen Stücken wie dem rasanten "Girl From Cornejo Valley" und älteren Songs wie der beschwingten Herzschmerzverarbeitung von "Chinese Translation" oder "Poison Cup" - einem tausendschönen Bekenntnis zum "Ganz oder gar nicht" in Liebesdingen - quer durch den umfangreichen Katalog des 43-Jährigen - plus Coversongs: David Bowies Eighties-Hit "Let's Dance" erklang als entschleunigte Ballade mit Mundharmonika-Parts, während der schwülstige Schmacht von "I Get Ideas", das Louis Armstrong einst von einem argentinischen Tango-Klassiker abkupferte, ebenso notgedrungen wie erfolgreich einer Entschlackungskur unterzogen wurde.

Kurzum: Ein kleines, feines, vor allem sehr lauschiges Solo-Konzert von einem der begabtesten Americana-Songwriter - würde M. Ward beim nächsten Mal wieder eine Band mitbringen, wäre man ihm allerdings auch nicht böse.