Kurzkritik Komische Oper

Das 48. Faschingskonzert der Münchner Musikhochschule

Von Klaus Kalchschmid

Am Ende spielt die oberste Kanzlerin zu den Klängen des "Lohengrin"-Vorspiels im futuristischen Raumanzug wie einst Charlie Chaplin mit einem Planeten als Luftballon. Dann kommt selbiger wie Melancholia in Lars von Triers gleichnamigem Film erst den Wahrzeichen der Erde in der Projektion gefährlich nahe und macht schließlich das Atomium in Brüssel platt, soll heißen vernichtet ganz Europa. Es hat gute Tradition, dass an Fasching den Herrschenden und Mächtigen der Spiegel vorgehalten wird, beim Rosenmontagszug oder in der Bütt. Aber Georg Blüml war beim 48. Faschingskonzert der Studierendenvertretung im Großen Saal der Musikhochschule als Kabarettautor und Regisseur allzu ambitioniert.

Denn ein penetrant melodiös pfeifender Roboter in Gestalt einer Wäscheschleuder und ein güldener Maschinen-Versteher wie aus "Metropolis" nahmen sich ein Jahr Krisen auf der Welt vor und überbrückten damit nicht nur wortreich die zahlreichen Umbaupausen. Irgendwann kam bei den beiden die Befürchtung auf, man könne sie zu Dosen oder ("schlimmer noch") Instrumenten verarbeiten. Doch das war aller folgenden Blechbläser-Musik zum Trotz eine vergebliche Hoffnung. Dafür waren die Musikbeiträge nicht nur vom Feinsten, sondern auch herrlich komisch, so ein ganz in blau getauchtes (Bläser-)Sextett, bei dem einer mit Händen und bloßen Füßen die Instrumente der anderen mitbediente oder ein (Streich-)Quartett aus Fixsternen, bei dem der jeweilige Bogenstrich im fliegenden Wechsel erfolgte von um sie auf Skatern kreisenden Planeten.

Herrlich auch die virile Bariton-Version des Csárdás ("Klänge der Heimat") aus der "Fledermaus" zur Zigeunerkapelle, dargeboten von Herrn Orbán alias Carl Rumstadt, die Parodie auf zeitgenössische Musik mit Solisten, die eine gelbe Rübe oder eine Krawatte mümmelten, das mit Wasser gegurgelte "Der Hölle Rache(n)", ein sexy Samba von leicht bekleideten Mädels und Jungs, die Blues-Arie einer behäbig thronenden Schnecke namens Altmaier oder die als Jazztrio vertonte Bundestags-Rede "der Mutti" mit dem Refrain: "Wir schaffen daaaas"!