Kurzkritik Grandios

Der Cellist Truls Mørk bei den Philharmonikern

Von Harald Eggebrecht

Wenn Antonin Dvořáks Cellokonzert aufgeführt wird, diese große Symphonie für Orchester und Violoncello, dann bitte so, wie es dem norwegischen Meistercellisten Truls Mørk am Freitag bei den Münchner Philharmonikern gelang. Da versammelte sich in Ton und Spiel dieses grandiosen Virtuosen der ganze Reichtum eines ungemein vielseitigen Musikerlebens in voller Blüte und in aller Reife der Erfahrung. Mit den Philharmonikern unter dem glänzenden jungen polnischen Dirigenten Krzysztof Urbánski bot er das Stück als Meisterwerk des Dialogisierens mit den verschiedenen Orchestergruppen und -soli aus kammermusikalischem Geist. Natürlich ließ er seinen heldentenoralen Ton auch erstrahlen, wo Dvořák die große Klanggeste will. Doch fast noch eindringlicher gerieten die Verschattungen, die Pianomelancholien und der unnachahmlich wehmütig ausgestaltete Schluss des Finales. Plötzlich erschien dieses von minderen Talenten oft ramponierte Stück wieder in seiner ganzen Vielgestaltigkeit, seiner Innigkeit ebenso wie in seiner epochalen Größe. Riesenbeifall, zum Dank die Sarabande aus Bachs 2. Solo-Suite.

Urbánski hat das Orchester auswendig geleitet, ein echter Partner des Solisten und der Musiker. Mit Souveränität, enormer Intensität und beeindruckender Dispositionsfähigkeit baute er Dmitri Schostakowitschs 5. Symphonie auf, jenes Werk, das etliche Kritiker im Westen als Kotau vor Stalins Doktrin des "sozialistischen Realismus" attackierten. Im Sowjetreich wurde es dagegen enthusiastisch gefeiert, der Komponist war nach der Uraufführung 1937 dort rehabilitiert. Doch Urbánski und die Philharmoniker machten mit ihrer eminent spannenden, die Klangfarbenfülle in alle Richtungen, vom Pompösen bis ins Aschfahle auskostenden Aufführung klar, welch bitterer Zorn, welche Tragik und Untröstlichkeit in dem tiefgründigen Stück stecken. Der dröhnende Dur-Schluss tönte großartig falsch, grotesk leer und letztlich wie Hohn.