Kurzkritik Gesamtkunstwerk

Ina Müller begeistert in der Olympiahalle

Von Dirk Wagner

"Auf der Suche nach dem grüneren Gras vergeht einem irgendwie der Spaß", singt Ina Müller in der Olympiahalle. Ihrem Publikum ist aber längst klar, dass es gar kein grüneres Gras jenseits der zweieinhalb-stündigen Show von Müller geben kann. Das ist natürlich auch ihrer großartigen Band zu danken, in der Rocko Schamonis langjähriger Gitarrist Hardy Kaiser seine Saiten auch mal so steinerweichend aufheulen lässt, dass Assoziationen mit der Rocklegende Jeff Beck nicht ganz unberechtigt erscheinen. Stimmlich verstärkt wird Müller zudem von den Soulsängerinnen Sarajane McMinn und Ulla Ihm, über deren ergreifenden Gesangsharmonien sich Müllers erotisch raue Stimme erhebt. Solche musikalische Darbietung alleine hätte schon die Zuschauer in der bestuhlten Halle von den Stühlen gerissen. Dazu hätte es auch Müllers Aufforderung nicht bedurft: "Alle Männer mit Potenzproblemen bleiben sitzen!"

Doch Müller ist nicht nur eine tolle Sängerin, sie ist auch eine irrwitzige Komödiantin, die sehr zum Gefallen der Zuschauerinnen vor allem die Männer aufs Korn nimmt. Dabei seien diese laut einem Buch mit dem Titel "Der Mann, die Sackgasse" ohnehin vom Aussterben bedroht, referiert Müller. Und bedauert sogleich, dass ihr dann niemand mehr sonntags den Abwasch ans Bett tragen würde. Ebenso provokant räumt sie ein, die Frau müsse nur darum Schwangerschaftsschmerzen ertragen, damit sie auch mal spürt, wie ein Mann mit Erkältung leidet. Und dass es auffallend sei, dass man eine 36 Stunden wirkende Viagra-Tablette entwickelt habe, die niemand braucht, Schmerzmittel aber immer noch nur wenige Stunden anhalten.

Besonders echauffiert sich Müller jedoch über bescheuerte Werbesprüche wie einen, laut dem die Verdauung bereits im Mund beginnt. Das habe ihr das Zungenküssen verleidet. Abgerundet wird ihre Show von einer aufregend schönen Beleuchtung, die erahnen lässt, welch exaktes Timing Müllers lässige Spontanität in Wahrheit stützt.