Kurzkritik Gefeierte Rückkehr

"The Afghan Whigs" begeistern im Backstage

Von Jürgen Moises

Wann waren The Afghan Whigs das letzte Mal in München? Vor 19 Jahren? Der Sänger Greg Dulli kann sich nicht erinnern. Er weiß nur noch, erzählt er in der vollen Backstage-Halle, dass er nach der Bandauflösung im Jahr 2001 mit den Nachfolgebands The Twilight Singers und The Gutter Twins hier war, und dass er bei einem sehr guten Friseur war. Sicher ist: Die Rockband aus Ohio, die 2012 wieder zusammengefunden und seitdem zwei hervorragende neue Alben veröffentlicht hat, ist viel zu lange weg gewesen. Das dürften wohl alle Besucher ihres fast zweistündigen, mitreißenden Comeback-Konzerts bestätigen. Dass die Amerikaner in den Neunzigern nicht nur zu den interessantesten, sondern auch lautesten Bands aus dem Grunge-Umfeld gehörten, machten sie schon optisch klar. Stand die Formation um den leicht exzentrischen Sänger Greg Dulli doch teilweise mit vier Gitarren auf der Bühne.

Am Beginn steht aber erst einmal ein mit Streichern unterlegter Himmelschor, den man als ersten Song des aktuellen Albums "In Spades" identifiziert. Dulli singt ihn zum Playback alleine, nach und nach betreten seine fünf Kompagnons die Bühne, und schon geht es mit dem wunderbaren "Arabian Heights" in die Vollen. Danach führt die Reise mit Stücken wie "Metamoros" ins Jahr 2014 und mit Songs wie "Debonair" bis in die Neunziger zurück. Bei Liedern wie "John The Baptist", einem der klaren Höhepunkte, schlagen dabei immer wieder die für die Band typischen Soul- und R'n'B-Einflüsse durch.

Ein weiteres Markenzeichen ist Dullis ausdrucksstarke, leicht brüchige Stimme, deren melancholisches Timbre bei ruhigeren Songs wie "Can Rova" voll zum Tragen kommt. The Afghan Whigs spielen ihn zu Ehren ihres im Januar verstorbenen Ex-Gitarristen Dave Rosser und als Ode an die Freundschaft. Dass die Band in München viele Freunde hat, zeigt die Euphorie am Ende, für die sich die Amerikaner mit drei Zugaben bedanken.