Kurzkritik Feinabstimmung

Ein Festspiel-Liederabend mit Pavol Breslik und Amir Katz

Von Andreas Pernpeintner

Dass dem Tenor Pavol Breslik und dem Pianisten Amir Katz am Ende ihres Festspiel-Liederabends solche Begeisterung entgegenbrandet, hat vor allem zwei Gründe. Zum einen sind die beiden keine Solisten, die ihr jeweiliger Konzertplan hier als Lieder-Zweckgemeinschaft zusammen auf die Bühne des Prinzregententheaters geführt hat, sondern sie sind ein eingespieltes Gespann.

Das erklärt, wie absolut perfekt die musikalische Interaktion ist, wie frappierend exakt Amir Katz auf jede Nuance des Gesangs eingeht, genau weiß, wann er den Blickkontakt für die Feinabstimmung sucht. Dabei ist er beileibe kein ergeben dienender Pianist. Er begreift seine Aufgabe pianistisch virtuos, plastisch illustrativ und lässt dabei einen kräftigen, vollen Klang zu. Aber die Balance gelingt ihm ideal, denn zu kräftig wird er nie.

Der andere Grund für den mächtigen Schlussapplaus ist der Gesamteindruck der zweiten Konzerthälfte. Er macht vergessen, dass zumindest Pavol Breslik Dvořáks "Cypřiše"-Liederzyklus vor der Pause etwas fremd zu bleiben schien. Dass er dabei ein Notenpult vor sich stehen hatte, war für diesen Eindruck nicht ursächlich. Doch war seine Interpretation bei Dvořáks klanglich und auch satztechnisch eher streng wirkenden Liedern etwas reduziert, sein Ton im Lauten stimmiger geformt als im Leisen und in der Wirkung recht herb.

Im zweiten Teil aber, bei französischen Liedern von Franz Liszt, ist davon nichts übrig. Jetzt kommen Wärme und Farbe hinzu. Beides hat Liszt bei diesen stilistisch vielfältigen Liedern wohl ohnehin strahlender aufs Notenpapier gebracht, doch mit welcher Lust sich Pavol Breslik das nun zu eigen macht, ist wunderbar. Auch das Lichte, Pastellfarbene hat nun schönen Glanz. Diese Intensität bewahrt sich der Tenor auch bei den griffigen Liedern von Mikuláš Schneider-Trnavský, von denen einzig "Guslar" ("Der Fiedler") aufgrund seines blutrünstigen Textes als Werk verdrießt. Nun auch lässig mit volkstümlichem Hemd bekleidet, gestaltet Pavol Breslik herrlich gewandt.