Kurzkritik Ein Charmeur

Edusei ist ein Glück für die Symphoniker

Von Egbert Tholl

Kevin John Edusei ist eine großartige Erscheinung. Schön, groß, elegant, reden kann er auch noch prima - das beweist er bei einer kleinen Moderation. Und vor allem: Er vermittelt dem Publikum der Münchner Symphoniker und dem Orchester ganz stark das Gefühl: Hier findet gerade ein Ereignis statt, exklusiv nur für alle Beteiligten.

So schafft er es mit leichter Hand, beim Konzert im Herkulessaal ein Repertoire zu dirigieren, das sich nicht nur in der Tradition der Symphoniker teilweise exotisch ausnimmt. Und dann landet er noch einen genialen Coup: Edusei dirigiert Haydns "Militärsymphonie", und zwischen deren vier Sätze schiebt er drei der "Zehn Märsche, um den Sieg zu verfehlen" von Mauricio Kagel. Haydns zarte Ironisierung des Militärwesens trifft also auf Kagels grimmigen Humor, Haydns Licht steht Kagels Dunkel gegenüber, wo Haydn selbst Schlachtenlärm abbildet, höhnt Kagel nur noch mit schallendem Gelächer. Die Symphoniker spielen fabelhaft, präzis, voller musikantischer Freude. Gleich danach noch Jánáčeks "Taras Bulba" - da mündet der Kampf in Todessehnsucht, wobei Edusei sorgfältig jeden Heroismus verweigert. Dann verschwindet er, kehrt mit einer Trommel zurück und wirbelt den Takt bei der Rameau-Zugabe: ein kluger, fabelhaft musikalischer Entertainer.

Eine tolle, sehr gut gebaute erste Hälfte. Danach wird es schwierig. Alexander Krichel fuhrwerkt sich schlampig durch Beethovens fünftes Klavierkonzert, denkt nicht die Musik, sondern nur an seine vermeintliche Virtuosität. Dazu schwärmt er, während dem Orchester die Präzision abhanden kommt.