Kurzkritik Dramatisch verzaubert

Sängerin Julia Lezhneva und das Concerto Köln

Von Klaus Kalchschmid

Als erste Sängerin hat Julia Lezhneva ein bemerkenswertes Album mit Arien des Händel-Zeitgenossen Carl Heinrich Graun herausgebracht. Es bestand fast nur aus Ersteinspielungen und machte nachdrücklich mit einem Komponisten bekannt, von dessen gut 30 Opern nur zwei auf CD erschienen sind: "Montezuma" (sogar mehrfach und auf DVD) sowie "Cleopatra et Cesare". Jetzt dominierte Graun den zweiten Teil des wunderbaren Abends der 28-Jährigen im Prinzregententheater - ebenfalls mit dem exzellenten Concerto Köln: Das todtraurige "Piangete, o mesti lumi" der Rosmiri aus "Il Mithridate" durfte bei der jungen Russin an der Seite der Traversflöte herrlich klagend schweben; dramatisch aufgewühlt voller virtuoser Koloraturen, vibrierender Tonwiederholungen und Triller dann "No, no, di Libia" des Postumio aus "Silla".

Es wurde in Tempo und Virtuosität noch überstrahlt von der zornesflammenden Arie einer Mutter, die dem usurpatorischen Sohn droht. Dieses Bravour-Stück der Titelheldin aus "Agrippina" beschloss die CD und stand jetzt auch am Ende des offiziellen Programms, bei dem Lezhneva in der ersten Hälfte mit Vivaldis "La Griselda" und seinen flüsternden Zephir-Winden aus "Ercole sul Termodonte" verzaubern konnte.

Allein brillierte Concerto Köln unter anderem mit originellen Vivaldi-Konzerten (RV 564a und 571), von denen Letzteres mit sieben Instrumenten aufwarten konnte (Geige, Cello, zwei Oboen, Fagott und zwei Hörner) sowie einer aufschäumenden Sinfonia von Johann Adolf Hasse. Neben der letzten Cleopatra-Arie ("Giulio Cesare") am Ende der ersten Konzerthälfte stammten auch zwei der drei Zugaben von Händel: "Brilla dell'alma" ("Alessandro") und das berühmte "Lascia la spina". Einmal mehr konnte Lezhneva hier bei der Auszierung des A-Teils in der Wiederholung zeigen, wie großartig sich ihre Stimme in der Höhe rundet und wie sie damit vermeintlich absichtslos zartesten Ausdruck erzeugen kann.