Kurzkritik Alter Glanz

Saxofonist David Murray mit den "Hipmen" in der Unterfahrt

Von Oliver Hochkeppel

Binnen weniger Stunden konnte man am Sonntag gleich zwei musikalische Zeitreisen unternehmen. Zunächst führte einen am frühen Abend im SZ-Container auf dem Werksviertel der in New York lebende Trompeter Franz Hackl zurück in die Zeit seines großen österreichischen Landsmanns Joe Zawinul und dessen stets durch volksmusikalische Färbungen grundierten Fusion-Jazz. Er tat dies mit Weltklasse-Begleitern aus dieser Zeit wie Mino Cinelu und Adam Holzman und mit modernen Mitteln, wodurch etwas Neues und Eigenes erklang. Wenig später ging es dann in der Unterfahrt mit dem Saxofonisten David Murray und einer Reunion der europäischen Besetzung seiner Last Hipmen zurück zum Postbop der späten Achtziger - der wiederum stark vom Hardbop der Sechziger durchdrungen war.

Dieser Rückgriff blieb stilrein, konzentrierte sich ganz auf die Wiedererweckung des alten Sounds. Bei beiden Sets legten Murray und seine Hipmen auch entsprechend kernig los. An Cannonball Adderley musste man bei dieser Gangart denken, nur dass mit David Murray der Saxofonist eindeutig im Zentrum des Geschehens stand, der sein Instrument singen lässt wie kein anderer, und das in allen Registern, die dem Tenorsaxofon noch möglich sind. Das machte ebenso Laune wie die kluge Auswahl und Abfolge der Stücke, bei der Uptempo-Kracher mit Balladen wie einem grandios Ben-Webster-weichen "Body & Soul" und leicht "free" angehauchten, harmonisch und rhythmisch schrägen Nummern abwechselten.

Dass man nicht restlos beglückt heimging, lag einmal daran, dass auch an überholte Traditionen festgehallten wurde, wie der, fast jedes Stück mit derselben Soli-Abfolge zu spielen. Vor allem aber zeichnete sich schnell ab, dass die Hipmen mit dem herausragenden Murray nicht mithalten konnten: Am ehesten noch der minimalistische, aber immer stimmige Pianist Carlton Holmes, am wenigsten leider Posaunist Paul Zauner. Alles in allem trotzdem eine coole Sache.