Kunstwerk "Sugababe" in Karlsruhe Er ist ganz Ohr

Das Ohr, derzeit zu sehen unter dem Titel "Sugababe" im ZKM Karlsruhe.

(Foto: AP)

Abgeschnitten, nur um im übernächsten Jahrhundert nachgezüchtet zu werden. Das Los des Ohrs von Vincent van Gogh wird immer seltsamer. Eine Künstlerin hat das Hörorgan des Malers mittels einer Zellenspende aus dessen Familie reproduziert.

"Sie können zu dem Ohr sprechen!" Das verspricht momentan das Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe (ZKM) bezogen auf das Kunstwerk "Sugababe". Nun ist das Sprechen zu einem Ohr so ungewöhnlich nicht, in diesem Falle aber doch. Denn die Künstlerin Diemut Strebe hat mit Hilfe von Wissenschaftlern ein Ohr gezüchtet. Und sich die Zellen dazu aus der Familie des Malers Vincent van Gogh geholt.

Das Exponat bestehe "aus lebenden Zellen, die natürliche, genetische Informationen über ihn enthalten sowie genetisch konstruierte Komponenten, die sich im Ohr als 'lebendes Kunstwerk' reproduzieren", heißt es dazu. Die Erläuterung zur konkreten Methode und dem wissenschaftlichen Hintergrund findet sich ausführlich hier auf der Website der Künstlerin.

Der Zellspender ist Lieuwe van Gogh, der als Ururenkel des Malerbruders Theo laut Strebe immerhin ein Sechzehntel seiner DNA mit Vincent gemeinsam hat. Die Geschichte, wie sich sein Vorfahre das Ohr im Jahr 1888 halb oder gar ganz abschnitt, ist bis heute nicht völlig geklärt, hat jedoch zum exzentrischen Image des Genies Vincent van Gogh entscheidend beigetragen.

Die experimentelle Nachbildung - eine von mehreren Exemplaren - ist nun seit dem 30. Mai in Karlsruhe zu sehen und soll zum Nachdenken über Replikation und Ersetzen anregen. Entsprechend der interaktiven Ausrichtung des ZKM werden Besucher auch dazu angehalten, in das Ohr zu sprechen. Das Gesagte wird zwar von einem Computer verarbeitet, bleibt jedoch unbeantwortet. Vorgemacht hat es bei der Eröffnung der Schau der Linguist Noam Chomsky. Wegen der Vergänglichkeit der Nährlösung, in der sich das Ohr befindet, können es ihm Besucher nur bis zum 6. Juli nachmachen.