Kunstsammlung Familie Gurlitt plant Dauerausstellung

Das Grab von Hildebrand Gurlitt, dem Vater des im Mai verstorbenen Cornelius Gurlitt, auf dem Nordfriedhof in Düsseldorf: Derzeit prüft das Kunstmuseum Bern, ob es die Kunstsammlung annehmen soll, die Hildebrand Gurlitt ursprünglich angelegt hatte.

(Foto: dpa)
  • Sollte das Kunstmuseum Bern das Erbe des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt ausschlagen, wollen die gesetzlichen Erben sofort sämtliche Raubkunst zurückgeben.
  • Die rund 460 Bilder aus deutschen Museen, die keine Raubkunst sind, würden zusammen "dauerhaft in einem deutschen Museum ausgestellt" werden.
  • Das Kunstmuseum Bern will am 26. November bekanntgeben, ob es das Erbe annimmt.

Wenn das Kunstmuseum Bern das Erbe des Kunstsammlers Cornelius Gurlitt ausschlagen sollte, will dessen Cousine Uta Werner als gesetzliche Erbin sofort sämtliche Raubkunst zurückgeben. Die rund 460 Bilder der klassischen Moderne aus deutschen Museen, die Gurlitts Vater Hildebrand aus der NS-Aktion "Entartete Kunst" erworben hatte, würden zusammen "dauerhaft in einem deutschen Museum ausgestellt" werden.

Langwierige Entscheidung über das Erbe

Das teilte der Münchner Rechtsanwalt Wolfgang Seybold, der mehrere Mitglieder der Familie Gurlitt vertritt, am Mittwoch in München mit. Cornelius Gurlitt war im Mai gestorben und hatte seinen Besitz dem Kunstmuseum Bern vermacht. Das Museum prüft seit einem halben Jahr, ob es das Erbe annehmen will - am 26. November soll die Entscheidung bekanntgegeben werden. Sollte Bern es ausschlagen, erben Uta Werner und ihr Bruder Dietrich Gurlitt gemeinsam alles. Die beiden hatten nach Seybolds Angaben in der NS-Zeit wegen ihrer jüdischen Mutter selbst unter Repressalien gelitten.

Raubkunst "unverzüglich zurückgeben"

Die von ihm vertretenen Familienmitglieder würden sämtliche Raubkunst aus der Sammlung Cornelius Gurlitt "unverzüglich und ohne Gegenleistung den einstigen Eigentümern bzw. deren Erben zurückgeben", erklärte der Rechtsanwalt. Die Taskforce "Schwabinger Kunstfund" solle ihre Erforschung zur Herkunft der Schwabinger und der Salzburger Bilder fortsetzen. Sämtliche Bilder und Geschäftsunterlagen Hildebrand Gurlitts würden so rasch wie möglich im Internet veröffentlicht werden.

Von den über 1500 Bildern in Gurlitts Sammlung sind mindestens zwei sicher Raubkunst: Henri Matisses "Sitzende Frau" und Max Liebermanns "Reiter am Strand". Im Mai hatte man kurz vor der Einigung mit den legitimen Erben gestanden, aber seit Gurlitts Tod liegt sie auf Eis. Bei mindestens sechs weiteren Bildern besteht konkreter Raubkunst-Verdacht.

Werke aus der Aktion "Entartete Kunst" sollen in deutsches Museum

Nicht zur Raubkunst gezählt werden moderne Kunstwerke, die der NS-Staat als "entartet" aus deutschen Museen entfernt und verkauft oder zerstört hatte. "Die Familie wünscht, dass die Sammlung der Klassischen Moderne, die Hildebrand Gurlitt aus der Aktion "Entartete Kunst" gerettet hat, zusammenbleibt und dauerhaft in einem deutschen Museum ausgestellt wird", teilte Seybold mit. Unter diesen rund 460 Bildern sind Werke von Max Beckmann, Franz Marc und Käthe Kollwitz.

Familie will sich der Verantwortung stellen

Im Mai hatten Uta Werner und Dietrich Gurlitt zusammen mit Gurlitts Schwager Klaus Fräßle, Christoph Gurlitt und Anne-Cläre Gurlitt es begrüßt, dass Cornelius Gurlitt seine Sammlung dem Berner Kunstmuseum vererbt habe: "Wir hoffen in diesem Zusammenhang, dass das Berner Kunstmuseum das Erbe antreten wird." Nun erklärten Uta Werner und die anderen von Seybold vertretenen Familienmitglieder, dass sie sich der mit einem Erbfall verbundenen Verantwortung zu 100 Prozent stellen würden.