Kunstraub Bode-Museum Die 100-Kilo-Münze in der Schubkarre

Der Berliner Goldmünzenraub zeigt: Viele Museen und Sammlungen sind unzureichend gesichert. So kommt es immer wieder zu spektakulären Diebstählen.

Von Anna Fastabend

Beim spektakulären Raub der Goldmünze aus dem Berliner Bode-Museum gibt es Neuigkeiten: Die Täter sind nach jüngsten Erkenntnissen der Polizei offenbar mit der Münze im Gepäck durch das beim Einstieg aufgebrochene Fenster geflohen und mit der Leiter auf die S-Bahn-Trasse zurückgeklettert. Ihr Diebesgut transportierten sie dabei mit einer Schubkarre auf einem Weg neben den Gleisen rund 80 Meter bis zum S-Bahnhof Hackescher Markt. Von dort aus seilten sie sich mit ihrer Beute über mehrere Meter in den unmittelbar angrenzenden Monbijoupark ab, in dem die Ermittler ein Seil gefunden haben. Anschließend ging es mit einem Fluchtwagen weiter, vermutete ein Sprecher der Polizei am Dienstag.

Doch wie kann ein 100 Kilo schweres, 3,7 Millionen Euro teures Exponat einfach so aus einem Museum verschwinden, in dem sich eine Münzsammlung im Wert von mehreren Millionen Euro befindet? Sollte ein solches Haus nicht besonders gesichert sein? Zum Sicherheitskonzept des Bode-Museums möchte der zuständige Pressereferent keine Angaben machen, "um die Sicherheit des Objektes nicht zu gefährden", erklärte er am Telefon. Ob das Aufbrechen des Fensters und das Zerschlagen der Panzerglasvitrine einen Alarm auslösten, ist bisher noch offen.

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Den spektakulären Kunstrauben der vergangenen Jahrzehnte zufolge scheinen Museen weltweit immer mehr Probleme mit ihrer Sicherheit zu haben. So erklärte der wegen seiner Kletterkünste als "Spiderman" bekannt gewordene und im Februar verurteilte Kunsträuber Vjéran Tomic vor Gericht: "Bei vielen Privatleuten ist das Alarmsystem besser als in diesem Museum." Und meinte damit das Pariser städtische Museum für moderne Kunst, bei dem während seines Einbruchs vor rund sieben Jahren einige Kameras, die Alarmanlage und die Bewegungsmelder nicht funktionierten. Daraufhin entwendete er fünf Meisterwerke der Moderne im Wert von 109 Millionen Euro, darunter von Picasso und Matisse.

2008 stürmten drei maskierte und bewaffnete Männer die geöffnete Zürcher Sammlung Bührle und stahlen im Wert von 112 Millionen Euro vier Gemälde, unter anderem von Cézanne und Degas.

Andere Täter tarnten sich. So ließen sich die Räuber von zwei William-Turner-Bildern und einem Gemälde von Caspar David Friedrich 1994 einfach in der Frankfurter Kunsthalle Schirn einschließen und überwältigten den Wachmann.

In Amsterdam stiegen die Diebe durchs Dach ein

Als Polizisten verkleidet gelang Dieben 1990 der größte Kunstraub der USA: Sie stahlen aus dem Stewart Gardner Museum in Boston 13 Werke im Wert von 500 Millionen Euro. Darunter Gemälde von Degas, Rembrandt und Vermeer.

Der berühmte Kunsträuber der Mona Lisa war gar Mitarbeiter im Pariser Louvre.

Neben den Fällen der Tarnung und Täuschung gibt es aber immer wieder auch klassische Einbrüche. 2002 etwa stiegen Diebe mithilfe einer Leiter erst auf das Vordach und dann über Seile durch eine eingeschlagene Dachluke einfach so in das Van- Gogh-Museum in Amsterdam ein und sackten trotz anwesender Wächter zwei Gemälde im Wert von 25 Millionen Euro ein. Die durch den Alarm wenige Minuten danach erschienene Polizei kam zu spät. Und auch Berlin hat bereits einen 3,6 Millionen schweren Kunstraub erlebt: 2002 brachen vier Männer in das Brücke-Museum ein und stahlen Gemälde von Nolde, Kirchner und Pechstein, indem sie erst die Alarmanlage manipulierten und dann ein Fenster auf der Rückseite des Hauses einschlugen.

Besonders problematisch sind Fälle, in denen die Werke nicht oder nicht ausreichend versichert sind. Aufgrund der steigenden Preise - vor allem für klassische Moderne und Nachkriegskunst - wird die Versicherung von künstlerischen Arbeiten immer kostspieliger. Schon deswegen fordern Versicherer immer bessere Sicherheitskonzepte. Im Fall des aufsehenerregenden Diebstahls aus dem Bode-Museum kann Entwarnung gegeben werden, sagte der Pressesprecher des Museums: Die 100-Kilo-Münze sei nämlich versichert.

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