Kunst Zufrieden mit "Unpainted"

Die Messe für digitale Kunst lockt Besucher von acht bis 80 an

Von Evelyn Vogel

Digitale Kunst soll auch in Zukunft in München einen Platz haben. Das ist das Fazit der Veranstalter der Messe "Unpainted: Lab 3.0", die am Sonntagabend nach dreieinhalb Tagen zu Ende gegangen ist. Annähernd 4000 Gäste besuchten die Messe, die in dem ehemaligen Heizkraftwerk MMA stattfand - wo ausgerechnet zur Eröffnung am Donnerstagabend die Heizung ausfiel. Zwar hatte man vor zwei Jahren bei der Premiere deutlich mehr, nämlich etwa 6000 Besucher gehabt, aber damals bespielten vor allem Galeristen, die über weitreichende Netzwerke verfügen, die Kojen. Dieses Mal war es eine reine Selbstpräsentation internationaler Künstler, kuratiert von Annette Doms und ihrem New Yorker Co-Kurator Nate Hitchcock. Neben Doms stehen hinter der Unpainted Benedict Rodenstock und seine Frau Irmin Beck Rodenstock. Unterstützung haben sie sowohl durch den Freistaat als auch durch die Stadt München.

Wer erwartet hatte, dass es im MMA an allen Ecken und Enden flackert und blinkt, rieb sich mitunter verwundert die Augen. Denn so manche digitale Kunst, die am Computer mithilfe aufwendiger Programmiertechniken entsteht, wird in ein analoges Endprodukt umgesetzt. Gemäldeartige Bildwerke, fotografische und skulpturale Arbeiten gehören dazu. Soziale Medien wie Facebook werden mehrmals zum Ausgangspunkt genommen. Der Münchner Künstler Florian Freier hat den Gegensatz zwischen der Privatheit der eigenen vier Wände und der öffentlichen Präsentation auf Facebook thematisiert, indem er die Zimmer eines 600 Zimmer umfassenden Studentenwohnheims in München-Freimann fotografierte und der Facebookseite des Bewohners gegenübergestellt. Die Ergebnisse sind unter anderem in einem Buch festgehalten. Die aus Istanbul stammende Künstlerin Ekin Onat zeigte eine Arbeit, die die Facebook-Einträge zu einem angekündigten sogenannten Ehrenmord und einer Vergewaltigung in ihrem Heimatland in ein elektronisches Netzwerk aus Punkten und Linien übersetzte.

Mit einem Programm für das Smartphone, einen Aktivierungscode, einer mit einem Start-Up-Unternehmen speziell dafür entwickelten 3D-Brille und einem ständig im Wert steigenden Aktienzertifikat wird der Käufer ausgestattet, der ein Kunstwerk des Münchner Künstlers Niko Abramidis erwirbt. Außerdem wird der Freund digitaler Kunst - der übrigens zwischen acht und 80 zu sein scheint - über fünf Jahre im Abstand von sechs Monaten mit Updates versorgt, so dass sich die verrückten Traumwelten, die er erworben hat, ständig weiterentwickeln.

Künstler wie Veranstalter zeigten sich insgesamt zufrieden mit den Verkäufen, etliche Reservierungen deuten darauf hin, dass auch noch in den kommenden Wochen Geschäfte gemacht werden. Man habe die Unpainted als Plattform für Digitale Kunst erkannt, einer Plattform, die Künstler, Sammler und Museumsdirektoren miteinander ins Gespräch brachten. Denn die Unpainted wurde offensichtlich auch von internationalen Vertretern diverser Kunstsammlungen genutzt, um sich zu informieren. Wie aber digitale Kunst überhaupt gesammelt, gesichert und archiviert werden kann, ist eine Aufgabe, mit der man sich zukünftig intensiver wird auseinander setzen müssen.