Kunst Der Bildhauer Fritz Koenig ist tot

Fritz Koenig (1924-2017) und ein Modell seiner "Sphere".

(Foto: Armin Weigel/dpa)

Seine Skulptur "Sphere" kennt in den USA jeder. Sie stand bis zum 11. September zwischen den Türmen des World Trade Center.

Von Catrin Lorch

Sein berühmtestes Werk, die "Sphere", kennen in den USA sogar Schulkinder. Die mehr als sieben Meter hohe Kugelkaryatide aus einer Bronzekugel auf einem Porphyrsockel stand bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 auf dem Platz zwischen den Hochhaustürmen des World Trade Centers in Manhattan. Und tauchte, schwer beschädigt, aus den Trümmern auf dem Ground Zero wieder auf. Dass diese Skulptur von einem deutschen Bildhauer entworfen wurde, wissen nur wenige. Fritz Koenig, der am Mittwoch gestorben ist, gehörte in der Nachkriegszeit zu den wenigen deutschen Künstlern, die für solche internationalen Großaufträge angefragt wurden.

Der im Jahr 1924 in Würzburg geborene Koenig hatte nach seiner Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg in München bei Anton Hiller studiert und in den Fünfzigerjahren zunächst die "Mengenplastik" erfunden, die Addition vergleichbarer Figuren - beispielsweise von Pferden, Kühen und Reitern - zu ausdrucksstarken Gruppen. Später reduzierte er Körperformen dann auf stereometrische Grundformen wie Kugel, Kegel und Zylinder und verschmolz diese mit harten Motiven, riss Lücken in die Plastik oder stauchte den Entwurf rücksichtlos zusammen. "Karyatiden" nannte er emporstrebende Gebilde, seine "Epitaphen" scheinen dagegen als weiche, organische Formen aus Bodenritzen oder hinter Wandplatten hervorzuquellen. Die Reduktion verband sich dabei effektsicher mit einem fast realistischen Abbild von physikalischen Vorgängen - weswegen man die Bildhauerei Koenigs auch nicht im strengen Sinn abstrakt nennen kann.

Das Formenvokabular des Künstlers war besonders geeignet für religiöse Bildhauerei oder Denk- und Mahnmäler. Mit einem "Großen Epitaph" beteiligte er sich am Wettbewerb für das Berliner Holocaust-Denkmal. Sein Werk wird in Landshut in einem unterirdischen Skulpturen-Museum verwahrt, das Koenig gemeinsam mit Studenten der TH München entworfen hat. Er selbst lebte zuletzt auf seinem Gestüt bei Landshut.