Kunst Aus dem Schatten

Frances Morris wird neue Direktorin der Tate Modern. Die 57-Jährige folgt dem Belgier Chris Dercon nach, der kommendes Jahr als Intendant an die Berliner Volksbühne wechselt. Sie ist die erste Frau an der Spitze des Museums.

Von Alexander Menden

Die Londoner Tate Modern Gallery hat Frances Morris zu ihrer neuen Direktorin berufen. Die 57-Jährige folgt dem Belgier Chris Dercon nach, der kommendes Jahr als Intendant an die Berliner Volksbühne wechselt. Sie ist die erste Frau an der Spitze der Tate Modern in deren 16-jähriger Geschichte. Es waren auch andere weibliche Kandidaten gehandelt worden, darunter Iwona Blazwick von der Whitechapel Gallery und Maria Balshaw von der Whitworth Gallery in Manchester. Die Tate hat sich nun jedoch für eine interne Lösung entschieden. Frances Morris studierte Kunstgeschichte in Cambridge und am Courtauld Institute of Art in London. Bevor sie 1987 dem Kuratoren-Team der Tate Modern beitrat, veröffentlichte sie zahlreiche Texte über zeitgenössische Künstler und erwarb sich einen Ruf als Ausstellungsmacherin. Schon bei der Eröffnung der Tate Modern im Jahre 2000 war sie an der Gestaltung der Dauerausstellung beteiligt. Seit 2006 ist sie Chefin der Sammlungen internationaler Kunst, wo zuletzt Retrospektiven von Louise Bourgeois, Yayoi Kusama und Agnes Martin betreute. Bei der Eröffnung des Artist-Rooms-Projekts diese Woche sagte Morris, die künstlerischen Leistungen von Frauen seien lange nicht gewürdigt worden und man müsse sie "aus diesem Schattendasein befreien". Obwohl das Museum keinen genauen Termin nannte, ist es wahrscheinlich, dass Morris spätestens anlässlich der Eröffnung des Tate-Modern-Erweiterungsbaus am 17. Juni ihr neues Amt antreten wird.