Kulturpolitik Kunst ist schön, kostet aber mehr Geld

"Mit einer Träne im Knopfloch" hört Sabine Rinberger als selbstständige Musäums-Direktorin auf und lässt sich von der Stadt anstellen.

(Foto: Robert Haas)

Seit 1959 wird das Valentin-Karlstadt-Musäum privat geführt. Nun soll es in die Münchner Museumsfamilie aufgenommen werden

Von Michael Zirnstein

So was wie das Valentin-Karlstadt-Musäum gibt es nicht noch einmal, nicht nur wegen des verqueren ä's. Das ganze Konstrukt ist so seltsam, als hätte er es sich selbst ausgedacht, er, den es so wacker in Ehren hält. Die Sammlung ist im Besitz des Kulturreferats, auch das Gebäude, das Isartor, gehört freilich der Stadt, aber betrieben wird das Museum privat von seiner Direktorin Sabine Rinberger. Heute sagt man wohl Public-Private-Partnership dazu, was Valentin dazugesagt hätte? "Kuddelmuddel" vielleicht. Das soll sich nun ändern: Der Kulturausschuss wird in der heutigen Sitzung die Weichen dafür stellen, dass das Musäum in die Münchner Museumsfamilie aufgenommen wird, oder, wie es amtsdeutsch heißt, es wird "ab 1. Januar 2018 in die Rechtsform eines städtischen Betriebs gewerblicher Art überführt".

Den momentanen Stand kann man anhand eines Valentin-Spruches betrachten: "Jedes Ding hat drei Seiten, eine positive, eine negative und eine komische." Die positive ist, dass diese Abmachung funktioniert hat - und das von Anfang an. Elf Jahre nach Valentins Tod überließ die Stadt dem Kunstmaler und Hobby-Valentinologen Hannes König nach einer ersten Ausstellung den Südturm des noch kriegszerstörten Isartores als Heimstatt für ein Museum (zu dessen Eröffnung 1959 eine mitzubringende Einladung in Form eines Ziegelsteins versandt wurde). Auch als in den Siebzigern der Nordturm dazukam, blieb es dabei, dass die Stadt die Immobilie den privaten Betreibern mietfrei überließ. Das Gleiche gilt für die Sammlung an Besitztümern Valentins, seine München-Fotos sowie künstlerische Objekte, die seine Ideen verdinglichen, etwa den "pelzverbrämten Winterzahnstocher". Das erbte die Stadt 1989 nach Königs Tod und stellt es den Museumsmachern kostenlos zur Verfügung. Bezahlt wird: mit Herzblut. Zuerst in Gedenken an ihren verstorbenen Lebensgefährten von Gudrun Köhl, seit 2004 von Sabine Rinberger. Die Historikerin, die, wie sie sagt, "eigentlich nie ein Museum haben und selbstständig sein wollte" aber "die Aufgabe reizvoll" fand, führte das Musäum zu seiner jetzigen Größe: Sie leitete den Umbau und sammelte Geld dafür, sie baute die Sammlung aus und einen Freundeskreis mit vielen Künstlern auf, sie konzipierte die Ausstellung neu, holt Sonderschauen ins Haus (gerade: "50 Jahre Deutsches MAD Magazin"), macht das Veranstaltungsprogramm (am 7. Juli: der Kabarettist Ludwig Müller), verwaltet EDV und Finanzen und pflegt die Beziehung zu Monacensia, Stadtmuseum und Kulturreferat. "Am Anfang gab es da keinen Sinn für unser Haus", sagt sie, aber mit Hans-Georg Küppers habe sich das gedreht, "er hat ein Herz für uns". Schon der erste offizielle Besuch des Kulturreferenten führte ihn ins Isartor, er weiß: Das Valentin-Karlstadt-Musäum "ist durch die Arbeit von Sabine Rinberger ein international renommiertes Museum geworden" und sei "aus dem kulturellen Leben der Stadt nicht mehr wegzudenken".

Es hält ohnehin jeder für ein städtisches Museum, sagt Rinberger. Sie bezahlt aber Kassenkräfte, Strom (damit wird geheizt) und mehr und trägt alleine das unternehmerische Risiko. Auch wenn sie die Besucherzahlen auf 60 000 pro Jahr gesteigert hat, müsse sie - und das ist die negative Seite - bei all den Überstunden in schwächeren Jahren auf einen angemessenen Gewinn ganz oder teilweise verzichten, so Küppers. Deswegen sei "die Fortführung in der bisherigen Form" gefährdet, die Stadt sieht sich in der Pflicht, das zu ändern, zumal man einst den privaten Nachlass Valentins ganz ignorant Köln überlassen hat.

Es geht um die Zukunft, sagt Rinberger, um die Frage: "Wer macht's nach mir?" Wer würde in einigen Jahren zu solch selbstausbeuterischen Bedingungen einsteigen? Dafür sollen jetzt ordentliche Stellen für Direktorat, Verwaltung und Kuratierung geschaffen werden, Wachpersonal und Büros werden gemietet, ein Budget für Veranstaltungen aufgestellt (viele Künstler traten bisher ehrenamtlich auf), was die Stadt statt 180 000 Zuschuss jährlich 440 000 Euro kosten wird - und während der Einpassung ins städtische System Liter von etwas, das in der Ausstellung als große Rarität präsentiert wird: "Der sehr seltene Tropfen Beamtenschweiß." Das ist, mit Verlaub, die komische Seite.