Kulturgeschichte der Geliebten Frauen aus der Schönheitsgalerie

Wenige stiegen so weit auf wie Madame Pompadour, die berühmteste Geliebte Ludwigs XV., die aktiv in die Außenpolitik des Königs eingriff, Koalitionen gegen Preußen schmiedete und nach der verlorenen Schlacht von Roßbach 1757 keinen Frieden erlaubte, sondern den berühmten Ausspruch tat: "Après nous le déluge (Nach uns die Sintflut)."

Im 19. Jahrhundert, an der Schwelle zur Moderne, wirkten liebestaumelnde Monarchen schon ein wenig lächerlich. Heinrich Heine verspottete Ludwig I. von Bayern:

"Er liebt die Kunst, und die schönsten Fraun, / Die läßt er porträtieren; / Er geht in diesem gemalten Serail / Als Kunsteunuch spazieren."

In seiner "Schönheitengalerie" versammelte der König Bilder von Frauen, die meist zwar nicht seine Geliebten waren; aber vielleicht hätte er sie gern als solche gehabt. Helene Sedlmayr kam als Dienstbotin an den Hof. Ludwig war verzaubert, er ließ sie vom Hofmaler Joseph Karl Stieler abbilden, und dieser schilderte, wie der Regent um das Mädchen herumscharwenzelte: "Für Helene Sedlmayr kaufte der König gar die Tracht: ' . . . der ich eine schöne silberne Riegelhaube, silberne Ketten für das Mieder, ein Halstuch, Kleid gegeben', vermerkt er am 13. Dezember 1830".

Aber wirklich verfallen war der König Lola Montez, der exotischsten Dame der Galerie, die seine Mätresse und sein Verhängnis wurde. "Schwarzes Haar. Blaue Augen! Anmutige Gestalt!" Missmutig ließ Preußens Außenminister wissen, "diese Verknüpfung von Regierungssystem und Verliebtheit in eine vagabundierende Grazie" gehe "zu heutiger Zeit" wirklich nicht mehr an. Als Ludwig seine Kritiker beschied: "Jeder kümmere sich um das, was ihn angeht", fegte ihn im unruhigen Jahr 1848 der Volkszorn vom Thron und die Geliebte ins Exil. Die Landeskinder mochten keine Monarchen mehr, die Sittenstrenge verlangten, aber nur von den Untertanen.

Je größer die Macht, desto freier interpretierbar erscheint den Mächtigen die Moral, die sie sonst gern predigen. Das hat sich durch die Demokratie nicht geändert. Die Gesetze freilich gelten nun für alle, und eine öffentliche Moral gibt es nur noch in Restbeständen, in den USA gewiss mehr als anderswo. Die Ehe gilt dort offiziell als Säule der Gesellschaft, und die Erwartungen an Führungspersönlichkeiten erinnern an jene Dichter Roms, die noch den tumbesten Lustmolch im Kapitol als Herold der Tugend besangen. Doch in einer Zeit, in der die Ehe nur ein Lebensmodell unter vielen ist, geht auch der Nimbus der Geliebten langsam verloren. Die Autorin Annette Meyhöfer hat das sehr schön beschrieben: "Die Geliebte. Allein das Wort hat einen altmodischen Klang. Geheimnis und Verrat hört man darin, eben all das, was zur Liebe auch gehört - auch ihre Vergänglichkeit."