Kulturerbe wird digitalisiert Scannen, ablichten, hochladen

Fleißarbeit und kein Ende in Sicht: Das deutsche Kulturerbe soll möglichst vollständig digitalisiert werden. 633 Institutionen arbeiten in 915 Projekten an dieser Mammutaufgabe. Doch was bringt es, wenn Zugriff weiterhin nur Eingeweihte haben?

Von Niklas Hofmann

Es ist eine Fleißarbeit. Auf der Seite kulturerbe-digital.de versucht Stefan Rohde-Enslin vom Institut für Museumsforschung der Staatlichen Museen zu Berlin einen Überblick über alle Digitalisierungsprojekte von Kulturgut zu schaffen, an denen deutsche Partner beteiligt sind. Er kommt dabei momentan auf 915 Projekte, die von mehr als 633 Institutionen betrieben wurden und werden.

In allen Ecken des Landes wird gescannt, abgelichtet, hochgeladen. In der Erschließungsqualität und Zugangsoffenheit unterscheiden sich diese Vorhaben teils erheblich. Und oft bleibt, was ein wichtiger Nebenzweck zu sein hätte, die bessere Zugänglichkeit der Bestände für ein breites Publikum nämlich, unerfüllt. Wer nicht von der Existenz der Sammlung XY weiß, der wird auch online nie nach ihren Inhalten suchen.

Was aber bringt die Digitalisierung qualitativ Neues, wenn Bestände auch weiterhin nur den Eingeweihten der wissenschaftlichen Community zugänglich bleiben? Wissen, das in den Silos schwer recherchierbarer Datenbanken verwahrt wird, wird im digitalen Zeitalter totes Wissen bleiben.

Wie weit das deutsche Kulturerbe auf seinem Weg nach Digitalien bereits vorangekommen ist, und wo es dabei in unwegsames Gelände zu geraten droht, das war auf einer zweitägigen Tagung von Deutscher Kinemathek und Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin zu erfahren. Die Erschließung der ungeheuren Informationsmengen in Bibliotheken, Museen, Archiven für die Online-Welt ist natürlich das unternehmerische Interesse von Google, das darum mit seinen Google Books mit Macht vorangeprescht ist. Es ist aber längst auch das ureigene Interesse der kulturellen Institutionen selbst.

Europeana und die Deutsche Digitale Bibliothek (DDB) heißen für Deutschland die beiden staatlichen Versuche, zentrale Anlaufstellen für das digitalisierte Kulturerbe zu schaffen - auf europäischer und auf nationaler Ebene. Die DDB ist dabei bislang noch immer nur ein Phantom. Günther Schauerte, Vizepräsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, berichtete in Berlin vom Stand der Dinge. Einen Starttermin vermochte er aber nicht zu nennen, im nächsten Frühjahr könne es soweit sein, vielleicht auch erst im Sommer: "Uns ist die Qualität wichtiger als das Datum." Die Software stehe aber, zur Zeit in Form einer finalen Testversion. Ab dem Jahresende soll eine Art "Roadshow" mit den ersten Ergebnissen im Lande unterwegs sein.

Die Europeana hingegen, einst das Ergebnis der Aufwallung europäischer Regierungschefs gegen die vermutete Kaperung des europäischen Kulturerbes durch Googles Buchsuche, ist inzwischen seit mehreren Jahren online, hat auch einen Millionenbestand an Digitalisaten vorzuweisen - und blieb doch bislang eine unbefriedigende Veranstaltung mit dem Charakter einer paneuropäischen Wundertüte.

Die technischen und finanziellen Schwierigkeiten des Europeana-Projekts waren von Anfang an groß, bald meldeten sich auch in Brüssel Experten, die das Heil doch eher in einer Kooperation mit Google sahen. Dabei besteht die begründete Hoffnung, dass aus der Europeana doch noch einmal etwas anderes werden könnte als der Europudding des digitalen Kulturerbes.

Anna Amalia mit Schleife

mehr...