John Heartfield, Krieg und Leichen, 1932

Zeugnisse künftigen Schreckens: Bilder, die sich wie Prophezeiungen lesen, zeigt das Historische Museum in Berlin als Kassandras des 20. Jahrhunderts. Die Bilder.

Im März 1915 bekommt der Maler Franz Marc - er ist Offizier an der Westfront - eine Postkarte mit seinem Bild "Tierschicksale". Zwei Jahre zuvor hatte er es gemalt, Tierkörper, unter Strahlen oder Kraftlinien verzerrt wie auf der Tortur. Noch am selben Tag schreibt Marc seiner Frau über seine "Tierschicksale": "Bei ihrem Anblick war ich ganz betroffen und erregt. Es ist wie eine Vorahnung dieses Kriegs, schauerlich und ergreifend; ich kann mir kaum vorstellen, dass ich das gemalt habe." Der Künstler, ahnend und mahnend dem Alltagsverstand wie der Gelehrtenklugheit voraus, das ist eine alte Vorstellung.

Text: Stephan Speicher/SZ vom 19.11.2008

Bild: John Heartfield, Krieg und Leichen, 1932

19. November 2008, 09:40 2008-11-19 09:40:00  ©