Der schwedische Beststellerautor Henning Mankell ist Moralist mit Haut und Haaren - und der Kriminalroman deshalb nicht rein zufällig sein ideales Genre.
Die Sonne stand schon schräg am Himmel. Sie leuchtete Henning Mankell ins Gesicht, als er neben die blaue Fahne der Vereinten Nationen trat. Flauschige weiße Wolken zogen schnell dahin, im Hintergrund war das Rauschen der Ostsee zu hören.
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Krimiautor und Moralist: Hennung Mankell (Archivfoto) (© Foto: ddp)
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Der Schriftsteller, von dessen Werken auf der ganzen Welt mehr als dreißig Millionen Exemplare verkauft sind, hatte sich eine schwarze Krawatte umgebunden. Auf der mit Feldsteinen gepflasterten Innenfläche des kleinen Vierseithofs saßen, eng gedrängt, fast zweihundert Menschen und ließen keinen Zweifel daran, dass dieser Mann ihr Sprecher war, dass er sagte, was sie dachten oder doch gerne gedacht hätten, dass sie bei ihm waren, wenn er über das Erzählen und den Hunger, den Analphabetismus und die internationale Solidarität redete.
Viel ließ sich lernen an diesem späten Nachmittag in den Dünen von Backåkra, zwanzig Kilometer östlich von Ystad in Südschweden, über Moral und Politik und auch über den modernen Kriminalroman.
"Ich war da", sagte Henning Mankell und verbeugte sich vor Dag Hammarskjöld, dem früheren Generalsekretär der Vereinten Nationen und ehemaligen Besitzer dieses Hofes, "vor fünfundzwanzig Jahren stand ich auf der Wiese im heutigen Sambia, wo sein Flugzeug im September 1961 zerschellte." Und es war klar, dass nun ein Erbe angetreten werden sollte.
Dann erzählte Henning Mankell die Geschichte, wie er einmal in Maputo einen sehr alten Mann getroffen und wie diesem Mann der Gefährte gefehlt hatte, der tagaus, tagein neben ihm auf einer Bank im Schatten gesessen hatte und dann plötzlich gestorben war. "Und dann sagte dieser alte Mann, und ich werde es nie vergessen, und dann sagte er: 'Es ist nicht gut zu sterben, bevor man fertig erzählt hat.'"
Die Menschen in diesem Innenhof sind nicht jung, sie reisen, sehen fern, lesen Zeitungen und Bücher. Viel erzählen werden sie vermutlich nicht, schon gar nicht in größerer Runde. Das macht aber nichts. Wenn Henning Mankell das Lagerfeuer des Erzählers vor ihnen entzündet, oder genauer: Wenn er sagt, er werde es entzünden, dann sind sie ergriffen, begeistert von der Idee, eng zusammenzurücken und die Flamme der guten Gemeinschaft in sich lodern lassen zu dürfen. Das Versprechen allein ist hier Anlass zur Rührung genug.
Der weiße Mann versagte kläglich
"Ich traf einen alten Mann", so beginnen die Erzählungen, und dann geschieht etwas, das, so behauptet der Erzähler, das er sein Leben lang nicht vergessen werde. Nur scheinbar sind es viele Ereignisse, die Henning Mankell nicht vergessen kann. Tatsächlich handeln sie nur von einigen wenigen Standardsituationen der bürgerlichen Moral.
Ihr Muster sind nicht die unerhörten, überraschenden, unvergleichlichen Geschichten, wie sie Herodot oder Johann Peter Hebel vortragen, die Geschichten, die auch ihre Erzähler zuweilen ratlos zurücklassen. Ihr Muster ist die protestantische und insbesondere die freikirchliche Predigt, das erbauliche Gleichnis für die Gemeinde.
Sie zielen auf das Allgemeine und machen nur deshalb einen Umweg über das scheinbar Einzelne, damit die Botschaft umso deutlicher hervortritt, damit sie plausibel und unangreifbar wirkt. "Ich traf einmal, auf einer Insel vor Mosambik, eine alte Frau, die Führerin ihres Stammes", erzählt Henning Mankell. Er werde sie nie vergessen. Sie habe ihn aufgefordert, seine Geschichte nicht zu erzählen, sondern zu tanzen. Dabei habe er, der sinnlich unbeholfene weiße Mann, kläglich versagt.
Die Zuhörer lachen, denn diese Geschichte ist kokett. Sie erzählt davon, wie viel den Menschen des Westens noch fehlt, um wirklich eingehen zu können in die Gemeinschaft der Guten. Sie misst, aber nur zum Schein, den Abstand aus zwischen dem persönlichen Vermögen und dem Universalismus wahrer Menschlichkeit.
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mein Gott, darf denn nun jeder in der SZ veröffentlichen?
Bitte liebe Redaktion, Sätze wie "Nur hätten die "Stars and Stripes" dem entlaufenen Linken Henning Mankell vermutlich gar nicht zugesagt" will ich hier nicht mehr lesen. Henning Mankell kann man sicher allerlei vorhalten. Aber sicher nicht, dass er völlig sinnbefreite, dilletantische Kritiken verfasst.
Was ist der Unterschied zwischen Kritikern und Eunuchen?
Keiner. Beide wissen wie's geht, aber sie können es nicht.
DW
'Die Politik kennt nur Interessen, der Journalismus nur den Verrat'..
Diesem einfachen Satz muss man in seiner Vollkommenheit nichts mehr hinzufügen.