Unabhängige Filmemacher drehten Jahre lang an George Lucas vorbei an einem Film mit dem Titel "Star Wars Revelations". Das Ergebnis liegt seit 16. April kostenlos im Internet und kann sich durchaus sehen lassen. Von Jürgen Schmieder
Am 19. Mai hat das Warten ein Ende: "Star Wars: The Revenge of the Sith" kommt weltweit in die Kinos und wird einer erfolgreichste Film des Jahres werden.
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"Offizielles" Plakat der Alternativ-Produktion (© http://www.panicstruckpro.com/revelations)
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Viele Fans fiebern seit Wochen dem Filmstart entgegen und sind dankbar für jeden Fitzel aus dem George-Lucas-Universum - selbst, wenn es aus einer Parallelwelt kommt. So können die Ungeduldigen seit letzter Woche sich auch mit einem Surrogat beglücken. Die unabhängige Produktionsfirma PanicStruckPro hat einen Film gedreht, der sich ebenfalls mit der Sternen-Saga beschäftigt: "Star Wars Revelations - the Rebellion Begins". Die Nachricht von einem Film zum Thema sorgte sogleich für regen Ansturm. Am Wochenende brachen auch gleich die Internet-Server zusammen, auf denen der Independent Movie zum Download bereit liegt.
Das Verfahren ist grundsätzlich nicht neu. Seit Jahren drehen Fans eigene "Star Wars"-Filme oder schneiden das vorhandene Filmmaterial neu zusammen, um der Geschichte einen neuen Dreh zu geben.
Das wohl bekannteste Beispiel ist "Star Wars Episode 1.1 - The Phantom Edit".
Bei diesem Streifen benutzte ein Fan Filmmaterial, das sich auf der offiziellen DVD von "Episode 1 - The Phantom Menace" befand und schnitt eine neue Version daraus zusammen.
Der Film konnte zwar kostenlos heruntergeladen werden, dennoch wurden Kopien auf den Straßen und auf Fan-Treffen verkauft.
Dazu kursieren zahlreiche Kurzgeschichten in Fankreisen und auf Star Wars conventions, Fans bringen Bücher heraus oder verkaufen Collagen und selbst gestaltete Filmplakate.
George Lucas war nicht sonderlich amused über die Begeisterung der Fans für Fremdplanetenmaterials, das im Windschatten des "Krieg der Sterne"-Hypes mitsegeln will. Es gab Unterlassungsklagen und Zivilprozesse. Zumeist endete es damit, dass die Verfasser ihre Werke nicht mehr verkaufen durften.
Im Falle von "The Phantom Edit" entschuldigte sich der geheimnisvolle Schnitt-Experte bei George Lucas und versicherte, dass er nie Geld verdienen wollte mit seiner Version und dass seine gut gemeinte Absicht außer Kontrolle geriet. Hier könnte nun der große Unterschied bei "Star Wars Revelations" liegen. Regisseur Shane Felux hat einen qualitativ hochwertigen Film gedreht komplett mit Freiwilligen, die auf eine Gage verzichtet haben.
Die Schauspieler Gina Hernandez und Karen Hammang, Kameramann Jack Foley, die Drehbuchautoren Dawn Cowings und Sarah Yaworsky:
Sie alle arbeiteten umsonst an dem Projekt, manche von ihnen drei Jahre lang. Auf der Internetseite der Produktionsfirma wird auch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Film kostenlos zum Download zur Verfügung steht, kopiert und privat gezeigt werden darf. Nur der Verkauf oder Verführungen, die Eintritt verlangen, sind strikt verboten.
Niemand soll Geld verdienen mit den "Revelations". Auf diese Weise hoffen die Produzenten, dass auch George Lucas - im Abspann ausführlich gelobt - seinen Segen gibt. Nach einer Woche liegt noch keine Klage vor, der Film kann - schafft man den Zugang zum Server und nimmt sich viel Zeit - weiterhin heruntergeladen werden. Die Produzenten scheinen also - im Gegensatz zu "The Phantom Edit" - alles unter Kontrolle zu haben.
"Wir haben es den Freiwilligen zu verdanken, dass wir die Idee realisieren konnten", so Regisseur Shane Fellux auf der Seite der Produktionsfirma. "Wir haben versucht, die Grenzen unabhängiger Filme zu erweitern und zu zeigen, was man mit einer ehrgeizigen Crew heutzutage erreichen kann."
Der Film wurde von Firmen unterstützt, die zum Beispiel die Kostüme der imperialen Flotte kostenlos zur Verfügung stellten oder das Make-up der Schauspieler übernahmen. Zu den Sponsoren des Films gehört auch ein gewisser Michael Moore, Regisseur der Dokumentationen "Bowling for Columbine" und "Fahrenheit 9/11" und früher selbst ein independent film maker.
"Revelation" bedeutet "Offenbarung", und darum geht es in dem Film. Die Geschichte spielt irgendwann zwischen Episode III (der bald in die Kinos kommt) und Episode IV (der erste Teil der alten Trilogie): Anakin Skywalker ist bereits zu Darth Vader mutiert und jagt die Jedi-Ritter quer durch die Galaxie.
Er muss um die Gunst des Imperators kämpfen, denn seine rechte Hand Zhanna ist ebenfalls hinter den flüchtenden Hütern der Galaxis her und droht, ihm den Rang als Bösewicht Nummer Zwei abzulaufen. Beide sind auf der Suche nach einem Artefakt, das ihnen helfen könnte, ihre Feinde endgültig zu vernichten.
Die Seherin Taryn Anwar möchte die Auslöschung der Jedi-Ritter mit allen Mitteln verhindern, ihr zur Seite stehen ihr Freund Declan und der Jedi Cade. Gemeinsam sind sie im Besitz des Artefakts und hoffen, ihre Kollegen retten zu können. Die Geschichte ist leicht zu verstehen und hat dennoch Tiefe. "Revelations" kann von der Story her durchaus mit den Episoden Eins und Zwei mithalten. Es geht um den Kampf Gut gegen Böse, um die Liebe zu einer Frau und immer um sehr viel Action.
So müssen sich auch die Spezialeffekte nicht hinter ihren Vorbildern verstecken. Selbst kreierte Raumschiffe wie das Imperial Lambda Class Shuttle 2 und der Corellian Outrider YT2400 jagen sich gegenseitig durch Meteoritenfelder oder bekämpfen sich zwischen zwei Planeten. Auch ohne Industrial Light & Magic lassen sich beeindruckende Bilder produzieren. Die Kämpfe mit den Lichtschwertern wirken gut choreographiert und koordiniert. Etwas störend ist nur, dass ein Jedi-Ritter mit einem gelben Schwert kämpft - aus den Originalfilmen kennt man nur die Farben rot, blau und grün für die Waffen der Krieger.
Shane Fellux hat einen Film geschaffen, der bisherige independent movies und Fan-Filme zum Thema "Star Wars" eindeutig in den Schatten stellt. Er zeigt sich selbst überrascht, was aus seinem Projekt innerhalb von drei Jahren geworden ist. "Revelations wurde viel größer als ich jemals gedacht hätte", verrät er auf der Homepage von PanicStruckPro. "Wir haben einfach nur versucht, uns keine Limits zu setzen." Dass dieses System funktioniert, können die Fans nun im Internet sehen - so weit die Server tragen.