Kosslick als Berlinale-Chef bestätigt Brimborium reicht für die Verlängerung

Berlinale-Chef Dieter Kosslick geht in eine weitere Amtszeit: Er wird das internationale Filmfest bis 2016 leiten. Doch die Entscheidung könnte zu einer großen Hypothek werden. Denn weder beim Fachwissen, Wagemut oder bei der Urteilskraft kann Kosslick mit seinen Kollegen in Cannes und Venedig mithalten.

Von Tobias Kniebe

Auch diese Nachricht ist wieder typisch für das Wirken und Wirbeln des Dieter Kosslick. Wahrscheinlich wollte er im Interview mit der Deutschen Presseagentur eigentlich nur für die nächste Berlinale trommeln und Kritiker in die Schranken weisen - aber dann rutschte ihm doch eine echte Information durch: "Der Staatsminister für Kultur und Medien, Bernd Neumann, hat mir ein Angebot zur Vertragsverlängerung gemacht, was mich sehr gefreut hat", sagte Kosslick am Dienstag. "Es ist schön, dass ich die Berlinale weiter leiten kann."

Klar ist damit, dass er über 2013 hinaus Chef der Internationalen Filmfestspiele bleibt - aber wie lange, das wusste die Berlinale auf Nachfrage selbst nicht zu sagen. Vom Kulturministerium kam schließlich die Information, dass die neue Amtszeit bis 2016 gehen solle.

Dieter Kosslick leitet die Berlinale seit 2001, und er hat sich dabei vor allem als nimmermüder Showmaster, Publikumsliebling und Selbstdarsteller im roten Schal etabliert. Wie leicht die Laune auf den Nullpunkt sinken kann, wenn im kalten Februar ein solcher Einheizer fehlt, hat sein mausgrauer Vorgänger Moritz de Hadeln bewiesen - Kosslick wurde anfangs wie ein Erlöser gefeiert.

Dazu kommt, dass Berlin sich auch stark als Publikumsfestival versteht. So lange die Zuschauerzahlen stimmen und die erlebnishungrigen Berliner mit Brimborium à la "Kulinarisches Kino" bei Laune gehalten werden, liegt diese Vertragsverlängerung irgendwie nahe.

Andererseits wird solche Kontinuität nun doch langsam zum Problem. Mit den Jahren ist immer klarer geworden, dass Kosslick zwar vieles ist - aber kein Film-Maniac, der mit dem Fachwissen, dem Wagemut und der Urteilskraft seiner Kollegen in Cannes und Venedig mithalten könnte. Wenn man sich etwa anschaut, wie die Auswahl von Cannes 2011 den Rest des Kinojahres dominierte, nehmen sich die drei Berlinale-Filme, die Kosslick zu seiner Verteidigung anführt - "The Turin Horse" von Béla Tarr, "Pina" von Wim Wenders und "Nader und Simin" von Asghar Farhadi - mager aus.

In einer Festivalwelt, die immer mehr von PR- und Sponsoreninteressen dominiert wird, kann die Rettung nur in der Konzentration auf die großen Filmemacher liegen. Und dabei zählen am Ende einzig und allein die persönlichen Beziehungen, die ein Festivalleiter aufbauen, die Loyalitäten, die er einfordern kann - und zwar durch wegweisende Entscheidungen, die ihrer Zeit voraus sind.

Ein Festivalchef muss selbst für solche Entscheidungen stehen, da hilft kein Beratungsteam. Und genau in dieser Hinsicht sind die nächsten fünf Kosslick-Jahre nun eine Hypothek. An ihrem Ende könnte die Erkenntnis stehen, dass zumindest Cannes längst uneinholbar davongezogen ist.

Da bin ich wieder!

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