Unglaubliche Einblicke in die TV-Berichterstattung: Im Prozess gegen Ex-HR-Sportchef Jürgen Emig soll ein ehemaliger Fernsehspiel-Chef den Schleichwerbungs-Vorwurf bestätigen.
Jürgen Emig schüttelt den Kopf, während er spricht. Will er mit dieser Körperteilrhetorik sein Entrüsten unterstreichen, weil das Gericht ihm nicht zu glauben scheint? Oder spielt ihm das Unterbewusstsein einen Streich?
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Es geht ihm an den Kragen: Sportjournalist Jürgen Emig auf der Anklagebank. (© Foto: dpa)
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Der Vorsitzende Richter Christopher Erhard hat soeben sehr nachdrücklich gefragt, wie Emig einerseits zigtausende Euro verdient hat und ihm andererseits nicht auffiel, dass es für diese Geldzahlungen keine Verträge gab.
"Ich kann es nicht sagen. Das Controlling des Hessischen Rundfunks und die HR-Chefredaktion hätten merken müssen, dass die Verträge fehlen", antwortet er unter Kopfschütteln.
Er ging um fünfstellige Beträge, die von den Veranstaltern des Frankfurter Marathons und des Ironman an Emigs Firma bezahlt wurden.
Zweiter Prozesstag vor der 12. Strafkammer des Frankfurter Landgerichts gegen den ehemaligen Abteilungsleiter Sport-Fernsehen, den viele Zuschauern als Reporter von der Tour de France kennen. Die Anklage wirft ihm Bestechlichkeit, Anstiftung zur Bestechlichkeit, sowie Untreue und Betrug vor.
Ihm droht eine Haftstrafe. Der 63-Jährige soll von Anfang 2000 bis September 2004 rund 625 000 Euro in die eigene Tasche gewirtschaftet haben. Mal soll Emig dafür kassiert haben, dass Live-Übertragungen ins Fernsehen kamen, mal gegen Provision Schleichwerbung verkauft haben. Es geht auch um Sponsorengelder, die er nur zum Teil an den HR weiterleitete.
Zudem ist möglicherweise ein neuer Zeuge aufgetaucht. Der ehemalige Fernsehspiel-Chef des Saarländischen Rundfunks (SR), Martin Buchhorn, wird in dem Strafverfahren gegen Emig möglicherweise aussagen. Wie der Vorsitzende Richter am Dienstag bekannt gab, hatte sich Buchhorn Anfang August selbst als Zeuge angeboten.
Laut einem vom Richter verlesenen Vermerk will der zwischenzeitlich pensionierte Buchhorn aussagen, dass er in seiner aktiven Zeit im SR von seinen Vorgesetzten "immer wieder aufgefordert" worden sei, Schleichwerbung in die von ihm verantworteten Fernsehfilme zu integrieren, um so einen Kostendeckungsbeitrag zu erwirtschaften. Die Vorgesetzten hätten allenfalls eingeschränkt, es dabei "nicht zu dicke zu treiben", zitierte der Vorsitzende Richter aus seiner Telefonnotiz.
Fest steht: Sportverbände, Unternehmen, Vereine und Kommunen haben Emig und den HR bezahlt, um ins Fernsehen zu kommen. Mitangeklagt ist Emigs früherer Geschäftsfreund Harald Frahm.
Über die Firma SportMarketing@Production, die Frahm und Emigs Ehefrau je zur Hälfte gehörte, wurde der Großteil der angeblich unsauberen Geschäfte abgewickelt. Frahm sagte nun erstmals aus. Er habe nur gemacht, was Emig ihm vorschrieb.
"Ich habe mich ihm verpflichtet gefühlt, weil Emig früher Tanzveranstaltungen ins Programm gehoben hatte", sagte Frahm, der ehemalige Präsident des Deutschen Tanzsportverbandes. Frahm hat am Dienstag auch den früheren Sportchef des MDR, Wilfried Mohren, belastet, der in Leipzig angeklagt ist.
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(SZ vom 13.8.2008/sst)
Abholzungen im Amazonas-Gebiet
Das waere mal ein interessant zu klaeren wie sich die Strategien zur Programmfinanzierung in den ARD-Anstaltens in den letzten 30Jahren veraendert haben. Und das man von der sportpolitischen Korruption zu anderen Formen von Wechselgeschaeften inhaltlicher Natur kommen wuerde, sozusagen vom Verkauf von Sendezeit fuer Randsportarten hin zum Verkauf von Sendezeit fuer kommerzielles oder politisches Product-Placement. Ganz wichtig sind da auch die jeweiligen Rechtfertigungen. Vor SAT 1 und RTL rechtfertigte sicherlich die Attraktivitaet des ARD Programms gegenueber der DDR so manches. Und dannach die Quote.
Staatsanwalt Loer behauptet , daß H. Dr. Emig Amtsträger war und vermutlich wird die Kammer das am Ende des Prozesses auch noch so sehen. Der HR hat H. DR. Emig aufgefordert, Geld einzutreiben, weil der Sender chronisch krank war. H. Dr. Emig hat über die Jahre Zusatzeinnahmen von über 13 Millionen Euro verschafft. Der frühere Intendant H. Berg hat H. Dr. Emig einmal sogar belobigt, daß er so tüchtig akquiriere. Der Sender HR hat also die Fremdfinanzierung nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern die Akquiese gefeiert. Weder im Gesetz noch in der Satzung zum HR findet sich ein Hinweis darauf, daß Redakteure für die Finanzierungen ihrer Sendungen zu sorgen haben. Ich vermute, daß hier H. Dr. Emig aufgrund von Neid geopfert werden soll, weil er allen vorgesetzten Entscheidungsträgern überlegen war.
Wenn wir in der Sportschau (ARD), Leute einladen für ein Gespräch haben die ALLE auf der Brust etwas stehen, geklebt oder genäht, wie nennen wir dass denn? Dass ist erlaubt(?), wie viel Geld bekommt das ZDF/ARD für diese Art der (Schleich)Werbung und der Jenige die hier dass in Bild bringt? Oder ist hier wegen Emig seine (hohe) " neben-verdienste" eine Neidkultur/Neidjustiz am werke?!
Ohne ein Organisationsverschulden bei HR (ARD) wäre es Emig gar nicht möglich gewesen, Gelder zu veruntreuen. Und das bei dem gigantischen Wasserkopf, den die öffentl.- rechtlichen Anstalten hinter sich herziehen.
Ich glaube mich erinnern zu können, wie die öffentl.-rechtlichen vor einigen Jahren eine Kampagne gegen Schleichwerbung im privaten Fernsehen losgetreten haben. Warum bloß?
Wenn die privaten Sender nicht so unsagbar schlechtes Fernsehen produzieren würden, müßten wir ARD und ZDF abschaffen. So kann man nur sagen: Weiter so ARD und ZDF!
Herr Emig war jung und brauchte das Geld.
Zuletzt wurden ihm ja nur 104.265,35 Euro plus 2996 Euro Familienzuschlag jährlich gezahlt. Gier frisst Hirn.
Das "einbehaltene Sponsorengeld" wird er sicher herausrücken müssen. Ob er da was draus lernt? Ach nee - das war ja alles der HR.
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