Konzert in Berlin Party mit Baby-Strampler und Käsekuchen

Pink rockt die Waldbühne in Berlin.

(Foto: dpa)

Pink ist nach fünf Jahren zurück mit einer neuen Single und ein bisschen Anlaufschwierigkeiten. Aber am Ende wird klar, wohin sie gehört - auf die Bühne.

Von Juliane Liebert, Berlin

Die Reihen der Berliner Waldbühne sind bis oben hin vollgestopft. Pink schreitet die Treppe herunter. Mitten durchs Publikum. Die Haare kurz und gebleicht, sehr weite Batik-Schlaghose, Lederjacke; halb Zelt, halb Lederfransen, ganz Rockstar. Alecia Beth Moore alias Pink ist da. An diesem Freitag und Samstag spielt sie in Berlin ihre einzigen großen Europa-Konzerte in diesem Jahr.

Es gibt Leute, die verändern schlagartig jeden Raum, den sie betreten. Pink ist eine von ihnen. Sie könnte völlig inkognito die Goldene Hochzeit dieser einen entfernten Großtante, deren Briefe vorsichtshalber ungeöffnet im Papierkorb landet, in das Event des Jahres verwandeln.

Folgerichtig ist der erste Song des Abends auch: Get The Party Started! Die Backgroundtänzer, hier eher Vordergrundtänzer, schlagen Saltos, kugeln in Karohemd und Shorts um die Sängerin herum, eine Art Grunge-Pyramide mit Pink als Herzstück. Und Pink singt ihre Hits und nur die Hits: U + Ur Hand, Just Like a Pill, Trouble, Funhouse, Raise Your Glass.

Flashback. Es ist 2004. In einer Pepsi-Werbung treten Pink, Britney Spears und Beyoncé als Gladiatorinnen auf, die zur Belustigung des grausamen, Pepsi-trinkenden Imperators Enrique Iglesias gegeneinander kämpfen sollen. Wie in der Waldbühne sind die Reihen des Kolosseums bis an den Rand gefüllt. Die drei Gladiatorinnen verschwören sich gegen den bösen Herrscher, lassen die Waffen fallen, singen "We Will Rock You". Der Imperator stürzt, die Pop-Amazonen öffnen ihre Pepsi-Dosen, zack, gewonnen.

Auf YouTube streiten die Fans des Clips bis heute, wer von den dreien am besten gesungen hat. Gefühlter Konsens: Pink mit ihrer rauen Stimme, die in den Tiefen fast krächzt, ihrer rauen Klangfarbe. Das ist 13 Jahre her.

Beyoncé ist inzwischen eine Ikone, die sich mit Fotos ihrer Zwillinge als Pop-Göttin der Fruchtbarkeit inszeniert. Britney dagegen lebt nach diversen Abstürzen seit 2008 unter der Vormundschaft ihres Vaters.

Erstes Album nach fünf Jahren

Und Pink? Was hat sie gemacht in den vergangenen Jahren? Sie ist Unicef-Botschafterin geworden, hat zwei Kinder bekommen, Soundtracks eingespielt, ab und an einzelne Songs rausgebracht. Jetzt ist ein neues Album angekündigt.

Die erste Single, "What About Us", singt sie am Ende des Abends zum ersten Mal live. Sie muss einmal neu ansetzen. "Das klingt nicht richtig, wir müssen das nochmal richtig machen, das ist mir sehr wichtig." Der zweite Anlauf sitzt.

Manchmal wirkt sie erschöpft zwischen ihrem wirbelnden Tänzer-Harem. Aber es glückt. Da ist es fast egal, dass das Hintergrundvideo aussieht wie ein Windows-Media-Player-Bildschirmschoner. Auch, dass Pinks Bräune verrät, dass sie eine Spur zu lange im Solarium gewesen ist.

Das Publikum wirft ihr Geschenke auf die Bühne. Babykleidung, Käsekuchen, was ein Rockstar halt so braucht. Irgendwann in der Mitte des Konzerts steht Pink in einem Berg von Präsenten, immer wieder wirft wer noch etwas hinterher. Wenn niemand Einhalt gebietet, wird sie gleich in einem Geschenkeberg verschwinden.

Ihre Fans haben sie nicht vergessen. Sie können jede Zeile ihrer Hits mitsingen. Und Hits hat die Frau zur Genüge. Sie stemmt die Show ausschließlich mit Nummer-1-Songs und zwei, drei Coverversionen.

Zur Show gehört, dass sie in eine überdimensionierte Gummi-Kugel steigt und sich in Flaming-Lips-Manier über die Menge hinwegschubsen lässt. Die Kugel hat ein Loch, Pink versucht, nicht rauszufallen, das Publikum befördert den Pink-Flummi einmal im Kreis über sich zurück auf die Bühne.

Denn da gehört sie hin.