Konflikt um Suhrkamp-Verlag Attacke und Gegenattacke

Hier geht's zum Suhrkampf-Verlag: Die beiden Gesellschafter des Verlages erheben immer neue Vorwürfe gegeneinander.

(Foto: dpa)

Einen Tag, nachdem er mit seinen Äußerungen im Interview mit dem "Focus" für Wirbel sorgte, fühlt sich Suhrkamp-Gesellschafter Hans Barlach zum Teil falsch von dem Nachrichtenmagazin zitiert. Inzwischen erhöht sich im Streit um den Verlag der Rhythmus der Attacken zwischen ihm und der Unseld-Familienstiftung.

Die Vorwürfe, die die beiden Suhrkamp-Gesellschafter öffentlich austauschen, verlangen inzwischen nach einer Tageschronik. Wie auch immer hinter den Kulissen zwischen der Unseld-Familienstiftung und Hans Barlachs Medienholding AG verhandelt wird, auf der öffentlichen Bühne beschleunigt sich der Rhythmus der Attacken und Gegenattacken.

Nachdem Barlach im Focus mit kritischen Aussagen gegen die Familienstiftung zitiert wurde und diese in einer Presseerklärung die Vorwürfe empört zurückwies, widerspricht nun wiederum Barlach der Gegenseite. Offenbar sei die Stiftung bestrebt, eine Einigung zu verhindern, erklärte Barlach gegenüber der SZ. Mit "ihm unterstellten falschen Äußerungen" ziele die Stiftung darauf ab, gegen die Medienholding AG oder ihn ein Unterlassungsverfügungsverfahren anzustrengen.

Allerdings korrigiert Barlach nicht nur die Familienstiftung, sondern auch Zitate, die ihm Focus in den Mund legt. Seine Einwände im Einzelnen: Seit Anfang Januar gebe es Gespräche mit "mehr als einem" Kandidaten für die Mediation. Alle Kandidaten hätten um höchste Vertraulichkeit gebeten. Daher dürfe er nur sagen, dass er sich sogleich mit dem von der Familienstiftung benannten Kandidaten getroffen und sein grundsätzliches Einverständnis signalisiert habe. Die Behauptung, man habe keine Antwort gegeben, sei falsch.

In dem Focus-Interview habe er weder gesagt, dass Suhrkamp heute ein Sanierungsfall sei, noch, dass der Verlag wirtschaftlich gefährdet sei. Allerdings bestünden die in den Jahresabschlüssen ausgewiesenen operativen Gewinne der Jahre 2010 und 2011 "bei genauer Analyse" nicht, sie seien nur auf Änderungen der Bilanzierungspraxis ab 2010 zurückzuführen.

Auf den Listen der 20 Jahresbestseller 2012 sei "leider" kein Titel des Suhrkamp- oder Inselverlags zu finden. Da die Listen allgemein zugänglich seien, könne jeder selbst recherchieren, wie sich die Erfolge seit Siegfried Unselds Tod reduziert haben.

Er habe dem Focus nicht gesagt, dass der Verlag 2010 außerordentliche Erlöse von 14 Millionen Euro erzielt habe. Die Jahresabschlüsse 2009 und 2010, für Insel auch 2011, seien öffentlich im Internet verfügbar und jedem zugänglich. Schließlich habe er gegenüber Focus nicht behauptet, es sei dringend notwendig, Rücklagen zu bilden. Aus seiner Sicht könne man nur Rücklagen bilden, wenn man operative Erträge erwirtschafte. Dass die Familienstiftung die bisher vertrauliche gerichtliche Auseinandersetzung über die Auszahlung des Gewinnanteils der Medienholding AG in Höhe "von mehreren Millionen Euro" publik mache, schade dem Verlag. Er selbst kommentiere diese Darstellung "aus Vertraulichkeitsgründen" nicht.