Kommentierte Auflage des Hitler-Buchs Fabelpreise für "Mein Kampf" bei Amazon

Nüchtern gehaltener Einband: Die Neuauflage von Adolf Hitlers "Mein Kampf", die das Institut für Zeitgeschichte herausgegeben hat.

(Foto: Getty Images)
  • Kurz nach dem Verkaufsstart der kommentierten Neuauflage von Adolf Hitlers "Mein Kampf" ist diese im Handel vergriffen.
  • Bei Amazon und Ebay wird das Buch zu Mondpreisen angeboten.
  • Das Institut für Zeitgeschichte, das das Buch herausgibt, rät zur Geduld. Schon kommende Woche würden neue Exemplare an den Handel ausgeliefert.

Adolf Hitlers Buch "Mein Kampf" ist als krude Propagandaschrift bekannt. Die kommentierte Auflage, die am 8. Januar in den Handel kam, wird den Buchhändlern nun aber aus der Hand gerissen. Weil das Werk im Handel vorübergehend ausverkauft ist, wird es bei Amazon zu Fabelpreisen angeboten. Das günstigste Angebot, das beim Online-Händler an diesem Donnerstag zu finden war, beläuft sich auf 355,00 Euro. Das ist das Sechsfache des normalen Verkaufspreises, der bei 59 Euro liegt.

Auch bei der Auktionsplattform Ebay ist das Buch zu finden - bei einem Anbieter hatten 22 Bieter den Startpreis von einem Euro am vergangenen Sonntag bis Mittwochnachmittag auf 276 Euro hochgetrieben. Für diese Summe gab es schließlich den Zuschlag.

Das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) in München, das das zweibändige Werk im Eigenverlag herausgibt, betonte, die Publikation werde wegen der enormen Nachfrage laufend nachgedruckt: "Die Edition ist wie jedes andere Buch erhältlich, aber wegen der besonderen Umstände mit einer gewissen Wartezeit verbunden", sagte eine Sprecherin des Instituts. Schon in der kommenden Woche würden weitere Exemplare an Buchhandlungen ausgeliefert.

Das Institut will mit dem umstrittenen Buch keinen Gewinn machen, aber auch keinen Verlust. Um kostendeckend zu arbeiten, habe man frühzeitig entschieden, sich am Bedarf zu orientieren, sagte die Sprecherin. Als das IfZ im vergangenen Herbst die Höhe der Startauflage habe festlegen müssen, sei das gewaltige Kaufinteresse nicht unbedingt abzusehen gewesen. "Wenn Sie damals verschiedene Experten gefragt hätten, ob sich die Leute auf einen grauen Zweibänder mit 2000 Seiten und 3700 Fußnoten stürzen, dann hätten Sie sehr unterschiedliche Wahrnehmungen feststellen können", sagte die Sprecherin.

Zudem seien damals viele Buchhändler nicht bereit gewesen, Hitlers Kampfschrift vorzubestellen. "Da sagten viele, das kommt mir nicht ins Haus." Das Institut für Zeitgeschichte habe aus Kostengründen nicht auf Halde produzieren wollen. "Da haben sie sehr schnell hohe Lagerkosten, und die konnten wir als öffentliches Institut nicht verantworten."

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Möglichkeit der Vorbestellung

Kurz vor dem Verkaufsstart am 8. Januar wurde schließlich klar, dass die Startauflage von 4000 Stück nicht ausreichen würde. Zahlreiche Buchhändler bieten ihren Kunden die Möglichkeit, das Buch vorzubestellen, auch online. Institutsdirektor Andreas Wirsching sprach bei der Präsentation der Edition am vergangenen Freitag von 15 000 Vorbestellungen. Man habe deshalb begonnen, das unter Leitung des Historikers Christian Hartmann kommentierte Werk nachzudrucken.

Wegen der Buchpreisbindung ist es Zwischenhändlern eigentlich untersagt, für ein neu erhältliches Buch einen höheren Preis als den vom Verlag festgesetzten Preis zu verlangen. "Sofern wir Kenntnis erlangen, dass Drittanbieter den Titel auf Amazon.de Marketplace unter Verstoß gegen die Buchpreisbindung anbieten, wird das Angebot entfernt", sagte dazu ein Amazon-Sprecher.

Die Erlöse aus dem Verkauf des Buches will das Unternehmen an eine Organisation geben, die sich zugunsten von Opfern des Nationalsozialismus engagiert. Zwischenhändler, die mit "Mein Kampf" nun womöglich hohe Gewinne erzielen, betrachtet das IfZ als Ärgernis. Sein Rat an Interessenten: Mit ein bisschen Wartezeit könne man das Buch ganz normal beim Buchhändler bestellen.

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