Es tritt zutage, wenn über Freiheit von Kunst und Literatur diskutiert wird, über die Rolle der Frau in der Gesellschaft, über Familie und Moral.

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Die permissiven Lebensformen des Westens, die sexuellen Freiheiten oder die Akzeptanz offener Homosexualität wecken nur bei einer Minderheit von Muslimen Neid und Sehnsucht, bei der Mehrheit bloß Verwirrung und Abwehr.

Nur der Schatten von Mohammeds Kamel war zu sehen, nur seine Stimme zu hören, als vor Jahrzehnten mit internationaler Beteiligung ein Film über den Propheten gedreht wurde. Wäre er selber sichtbar geworden, hätte der Film in keinem islamischen Land laufen können.

Nicht anbetungswürdig

Für Westler ist schwer zu verstehen, was an einer Karikatur Mohammeds so absolut verwerflich sein soll. Nach islamischer Lehre aber ist er nicht göttlich, kein Gegenstück zu Jesus oder auch nur das Äquivalent eines Papstes oder Ayatollahs. An seinem Grab in Medina stehen tags und nachts Wächter mit dem Gesicht zu den Pilgern, damit kein Gläubiger ihn anbetet.

Er darf nicht verehrt werden, aber auch nicht verspottet: Das ist der ursprüngliche Grund des Abbildungsverbots. Keine islamische Bilddarstellung zeigt sein Gesicht.

Vom Dialog der Kulturen, den der iranische Reformpräsident Mohammed Chatami erstrebte, ist die Welt durch den Karikaturen-Streit weiter entfernt denn je.

Soll daraus nicht ein Schritt zum Krieg der Zivilisationen nach Samuel Huntington werden, muss der aktuelle Disput wieder entschärft werden.

Weniger Aufgeregtheit ist erforderlich, überall. Wenn schon keine liebevolle Verständigung - einen Modus vivendi brauchen alle, am meisten die europäischen Länder und ihre Muslime.

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(SZ vom 3.2.2006)