Nach islamischer Lehre ist Mohammed nicht göttlich, daher darf er nicht verehrt werden. Verspottet aber auch nicht. Für Westler ist das schwer zu verstehen.
Eine französische Miniatur aus dem 15. Jahrhundert zeigt den Propheten Mohammed auf einem kostbaren Diwan, umgeben von Frauen mit entblößten Brüsten. Dante hatte ihn in die neunte Hölle versetzt.
Pakistanische Islamisten brüllen bei einer Demonstration in Lahore anti-dänische Parolen. (© Foto: AFP)
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Niemand konnte daran Anstoß nehmen, denn "muslimische Mitbürger" gab es nicht in den Reichen der Christenheit. Globale Interessen der Exportwirtschaft auch nicht.
An seinen Außengrenzen kämpfte das Abendland gegen den Islam. Wer der Feind war, das war klar. Feindbilder durften ebenso klar sein.
Das Getöse um die dänischen Mohammed-Karikaturen zeigt, dass sich die Welt gründlich verändert hat. Und es macht sichtbar, dass die Zeit einfacher Wahrheiten vorbei ist. Freiheit von Presse, Meinung und Satire ist nicht verhandelbar.
Es wäre Unfug, wenn die Verunglimpfung von Glaubensinhalten des Christentums, des Judentums, des Hinduismus oder anderer Religionen "Meinung" wäre, Spott über den Propheten aber todeswürdiger Frevel oder Delikt.
Es gibt indessen Probleme, die sich in der Praxis nicht dadurch lösen lassen, indem man auf Grundrechte pocht oder Tribunale einsetzt, wohl aber durch gesunden Menschenverstand, Rücksicht auf die Gefühle Andersdenkender, guten Geschmack und altmodische Höflichkeit.
Die Gläubigen des Islam sind nicht mehr der böse Feind, schon weil sie in großer Zahl unter uns leben. Allerdings hatte man sich die multikulturelle Gesellschaft nicht so vorgestellt, wie sie sich nun um Karikaturen-Streit darstellt, obgleich auch längst klar war, dass sie sich nicht nur auf Spezialitäten-Lokale und Bauchtanzschulen reduzieren lässt.
Gerade deshalb ist die Provokation nicht die rechte Art der Auseinandersetzung mit dem radikalen Islam. Sie ruft jene Angriffe erst hervor, gegen welche die Freiheit dann verteidigt werden muss.
Lächelnde Ölscheichs und tumbe Mullahs
Gemäßigte Muslime müssen sich solidarisieren, ebenso auf der anderen Seite die Medien-Leute, die selbst nie solche Zeichnungen veröffentlicht hätten. Vorhersehbar war auch die Reaktion arabischer Regierungen, die unter dem Druck ihrer Islamisten stehen.
Eine so prächtige Gelegenheit, sich zu Beschützern des Glaubens aufzuschwingen, können sie sich nicht entgehen lassen. Da sie ihre eigene Presse an kurzer Leine führen, können sie auch nicht begreifen, dass europäischen Regierungen auf diesem Gebiet die Hände gebunden sind.
Man hat in den Gazetten schon viele Karikaturen grimmbärtiger Terroristen, gierig lächelnder Ölscheichs oder tumber Mullahs gesehen. Jedes Bild hat hoffentlich seinen Sinn, jedes seine eigene Komik, jedes für sich ist harmlos. Von einer empfindlichen Minderheit werden sie aber leicht als Stimmungsmache empfunden.
In einem Land, wo einst zu vermeintlich normalen Zeiten der Stürmer mit seinen krummnasigen Juden eine Hetzkampagne betrieb, ist auch dieser Aspekt einen Gedanken wert.
Genau an dem Tag, da der Streit um den Bomben-Turban des Propheten internationales Ausmaß erlangte, trat die islamische Welt in das Jahr 1427 ihrer Zeitrechnung ein. Zu unterstellen, sie lebe noch im Mittelalter, wäre ein billiges Spiel mit Zahlensymbolik.
Aber im Unterschied zu Europa, das sich vom Sakralen weitgehend ablöste, haben die Muslime, selbst wenn sie persönlich nicht religiös sind, ihr Gefühl für die Verbindlichkeit der Glaubensgrundsätze im Alltag erhalten. Islam ist Religion, Gesetz, Lebensregel und Sitte.
An dieser Stelle verläuft die tiefe Kluft zum Westen, die nur schwer zu überbrücken ist. Hier liegen die Wurzeln des Unverständnisses.
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