Kommentar Rätselhafter Kahlschlag

Ein römisches Gericht hat dafür gesorgt, dass fünf der zwanzig neu berufenen Museumsleiter des Landes wieder gefeuert werden. Was das bedeutet, weiß man noch nicht. Ganz sicher gehen diese Museen nun ohne Leitung in den Sommer.

Von Thomas Steinfeld

Es hatte beträchtlichen Widerstand gegeben, als der italienische Kulturminister Dario Franceschini vor gut zwei Jahren die Direktorenposten der zwanzig wichtigsten Museen und archäologischen Stätten des Landes international neu ausschrieb. In Italien gebe es schließlich, hatte der häufigste Einwand gelautet, genügend gute Kunsthistoriker und Kuratoren, um solche Ämter zu besetzen. Als das neue Ensemble schließlich zusammengestellt war, erwies es sich indessen, dass nur sieben der künftigen Direktoren Ausländer sind. Seit eineinhalb Jahren sind sie nun im Amt, und die Kritik ist verstummt. Zu offensichtlich ist, dass nicht nur die ökonomischen, sondern auch die kunsthistorischen Erwartungen erfüllt wurden. Im Herzogpalast von Mantua vermehrten sich unter der Leitung des österreichischen Kunsthistorikers Peter Assmann die Besucherzahlen gar um mehr als fünfzig Prozent.

Am Donnerstag dieser Woche kassierte das Verwaltungsgericht der Region Latium (Tar) die Berufungen in fünf der zwanzig Fälle, und zwar, soweit man bis jetzt weiß, auf Grundlage angeblicher Verfahrensfehler bei den Bewerbungsgesprächen wie bei den Beratungen der Kommission. Selbst die großen Zeitungen reagierten auf das Urteil mit Fassungslosigkeit, zumal jeder Kommentator zunächst vermutete, es gehe, womöglich unter Vorwänden, gegen die Berufung von Ausländern. Dies scheint nicht der Fall zu sein. Von den fünf Museumsdirektoren, die am Tag des Urteils ihre Arbeit verloren, sind vier Italiener: die Direktoren der archäologischen Nationalmuseen in Neapel, Reggio Calabria und Tarent sowie der Galleria Estense in Modena. Der fünfte ist Peter Assmann, der so erfolgreiche Museumsmann in Mantua.

In allen fünf Fällen habe es im Berufungsverfahren Mängel gegeben. Was das genau heißt, wird man indessen erst nach Veröffentlichung der Urteilsbegründung wissen. Und bis dahin werden auch die fünfzehn im Amt verbliebenen Direktoren in Unsicherheit leben müssen, was dieses Urteil für sie bedeutet - und ob es nicht doch in irgendeiner Weise gegen die Berufung von Ausländern geht.

Das Verwaltungsgericht (Tar) der Region Latium gilt in Italien als Inkarnation römischer Bürokratie und ist für seine Urteile berüchtigt. Im vergangenen Jahr kippte es zum Beispiel die Entscheidung der italienischen Regierung, die großen Kreuzfahrtschiffe nicht mehr durch das historische Zentrum Venedigs fahren zu lassen. Auch im Fall der fünf annullierten Berufungen sind die unmittelbaren Folgen ernst. Die betreffenden Museen werden für Wochen, wenn nicht für Monate keinen Verantwortlichen mehr haben, es wird keine außerordentlichen Öffnungszeiten mehr geben und keine Sonderveranstaltungen. Doch ist ein Tar nur ein Gericht erster Instanz. Das nun initiierte Verfahren wird Jahre dauern.