Von dip

Man muss sich die Musikredakteure und musikverantwortlichen Moderatoren des deutschen Rundfunks, sei er nun öffentlich-rechtlich oder privatwirtschaftlich organisiert, offenbar wie gefesselte und geknebelte Kreaturen vorstellen...

... ,auch wenn sie ihren Dienst in dieser unangenehmen Position eigentlich kaum verrichten können dürften.

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In der unkommoden Lage, das hat eine gemeinsame Anhörung des Bundestagsausschusses für Kultur und Medien und der Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland" am gestrigen Tage wesentlich ergeben, verharren diese bedauernswerten Menschen nur aus einem Grund: Weil wir, die Radiohörer, das genau so wollen.

Eigentlich ging es an diesem Nachmittag ja um die Frage, ob es eine Quote für Musik aus Deutschland im Hörfunk geben solle. Die allerdings war schnell beantwortet: Es kann sie, so der geladene juristische Sachverständige Jörg Gundel, rechtlich wohl gar nicht geben. Einerseits schränkte eine Quote für in Deutschland produzierte Musik die verfassungsrechtlich garantierte Programmfreiheit der Sender unstatthaft ein, andererseits verstieße sie gegen europäisches Recht, weil ihre Einführung eine Diskriminierung ausländischer Künstler bedeuten würde.

Demnach also war die Fragestellung der Anhörung schnell negativ beantwortet, allein eine niedrige Quote für deutschsprachige Popmusik egal aus welchem Herkunftsland, so Gundel, sei im Sinne des Sprachschutzes nach französischem Vorbild rechtlich denkbar.

Genau diese Feststellung aber führt die seit Jahren festgefügte Quotendiskussion - alle Argumente für und wider sind längst ausgetauscht, originelle neue waren auch bei der Anhörung nicht zu vernehmen - in jene leicht modrige Sphäre der Brauchtumspflege, in der die rasant vielzähliger gewordenen Befürworter aus dem Musikerlager sie gerade nicht sehen wollten.

Die Sprache als alleiniges Kriterium für einen höheren Anteil deutscher Musik in den Playlists der Radios ist absurd - so man die Popkultur entgegen ihrer alles durchdringenden Präsenz nicht als gefährdete Art begreift und entgegen ihrer Entstehung und Entwicklung als national definiertes Kulturgut.

Womit wir wieder bei den gefesselten und geknebelten Moderatoren wären. Die, so bestätigten die Vertreter des privaten und öffentlich-rechtlichen Rundfunks, exekutierten in ihrer deutsche Lieder größtenteils aussparenden Musikauswahl nur die mit wissenschaftlicher Präzision ermittelten Wünsche der Hörer.

Welche allerdings in der letzten Woche gleich acht in Deutschland produzierte Alben, davon sechs deutschsprachige, in die Top Ten der Charts hinein gekauft haben. Was nur bedeuten kann: Die Musik, die wir kaufen, wollen wir nicht im Radio hören. Dafür bedürfte es dann wohl einer ganz neuen Quotenlogik.

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(SZ vom 30.9.2004)